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Bekenntnisse eines Affen-Seelenarztes

Theater im Deutschen Primatenzentrum Bekenntnisse eines Affen-Seelenarztes

Kann ein Wissenschaftler für die Rechte von Schimpansen eintreten, und sie trotzdem in Käfige sperren? Diese Frage hat Prof. Daniel Povinelli (51) während seiner 25-jährigen Forscherkarriere gequält. In einem Theaterstück am Donnerstag im Deutschen Primatenzentrum in Göttingen suchte er nach Antworten.

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Quelle: Harald Wenzel

Göttingen. Vier Monate lang hat Anthropologe Povinelli gemeinsam mit Koautor Brandon Barker (36) an dem Stück gearbeitet. In Göttingen feierten „Die Bekenntnisse eines früheren Affen-Seelenarztes“, Povinellis fünftes Theaterstück, Welturaufführung.

Der Wissenschaftler, der 1999 das mit einer Million Dollar dotierten James S. McDonnell Jahrhundertstipendium ausgezeichnet worden ist, lässt in der Gestalt von Doktor Fomomindo seine Karriere Revue passieren. Ausgestattet mit Fliege und Weste, Zylinder und Spazierstock erzählt er sein Leben. Fotos und Filmsequenzen auf einem großen Bildschirm lockern die Aufführung auf. Schimpanse Mojo, gespielt von Povinellis Freund, Prof. Joshua A. Smith (45), kommentiert Fomomindos Ausführungen.

In den amerikanischen Südsaaten wuchs der spätere Wissenschaftler auf. Als Junge ging er in den geheimnisvollen Sümpfen Lousianas auf Entdeckungsreisen. Den Schüler elektrisierten Berichte über Ufos, Yetis und das Monster von Loch Ness. Dass Schimpansen sich im Spiegel erkennen, faszinierte ihn so, dass er mit anderen Schülern eine Gesellschaft zur Befreiung von Menschenaffen aus Zoos und Forschungslabors gründete.

Am Ende seines Studiums fand sich der Anthropologe dann aber selbst in einem Institut wieder, in dem Schimpansen in Käfigen lebten. Später wurde er sogar Direktor einer solchen Einrichtung. „Anders hätte ich meine Fragestellungen über den Verstand von Affen nicht beantworten können“, verteidigte er sich. Bei Tieren in freier Wildbahn ließen sich die Rahmenbedingungen nicht kontrollieren. Immerhin habe er sich für größere Käfige eingesetzt. Schimpanse Mojo lachte höhnisch.

So menschenähnlich Affen manchmal wirkten, so „radikal anders“ seien sie, habe er während seines Forscherlebens erkannt, sagte Povinelli. Den Tieren fehle die Fähigkeit zum höheren Denken. Werkzeuge verwendeten neben Affen auch Krähen. Ameisen könnten sich im Spiegel erkennen. Der Professor unterstützt daher Paola Cavalieri und Peter Singer nicht, die für Grundrechte von Menschenaffen kämpfen. Vor fünf Jahren zog er sich allerdings aus der Forschung weitgehend zurück. Er lehrt noch und schreibt Theaterstücke.

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