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Manipulierte Gutelaunewelle

„Ahoi, die Kreuzfahrer kommen“ im Göttinger Apex Manipulierte Gutelaunewelle

Auf seinen mehr als 40 Reisen als Unterhaltungskünstler auf Kreuzfahrtschiffen hat Comedian Michael Eller so einiges erlebt. Genug jedenfalls, um im Göttinger Apex mit seinem neuen Programm „Ahoi, die Kreuzfahrer kommen“ einen Abend zu füllen.

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Comedian Michael Eller

Quelle: Heller

Göttingen. Im dekorativ maritimen Outfit, so wie man als Kreuzfahrer vermutlich an Bord geht, inszeniert er den Beginn seiner Show und verteilt „Schlüpper“. Dass diese ungetragen seien, jedenfalls von Frauen, beteuert er. Und dass man sie dann bitte gleich beim zweiten Beginn unter Johlen nach vorn werfen solle, fügt er hinzu. Unter Musik, die an den Einlauf eines Boxers erinnert, wird dann der zweite Anfang zelebriert, und auf der manipulierten Gutelaunewelle beginnt Eller dann auch zu surfen, ziemlich bemüht in der ersten Hälfte des Programms. Für mangelnde Publikumsresonanz hat Eller aber Medizin aus der Komiker-Hausapotheke parat: „Humor ist regional unterschiedlich.“ So lache der Lübecker gemeinhin nach innen, erklärt er. In Göttingen geht das schön nach außen, da hat er kein Problem.

Es wird über übergewichtige Polizistinnen gelacht, die dem „Komiker-Tourette“ zum Opfer fallen und deshalb als Antwort auf die strenge Frage: „Wissen Sie, was mir nicht passt?“ „Ja, Größe 36“, zur Antwort bekommen, über den unermesslichen Appetit der deutschen Kreuzfahrer und die „Silberzwiebeln“, die sich schon um halb sechs ihre Liegen an Deck reservieren. Vieles ist amüsant, manches platt, der rote Faden fehlt oftmals, und auf diese Weise verpuffen manchmal die Pointen. Der verbale Hafen im Sammelsurium an Kreuzfahrtanekdoten ist immer wieder, dass die meisten Leute auf einem Kreuzfahrtschiff „wahnsinnig nett seien“. Die zweite große Wahrheit des Abends ist, dass es mit Alkohol auch immer witziger ist als ohne.

In der zweiten Hälfte nimmt der Comedian mehr an Fahrt auf und landet dann aber auch schon bei Langstreckenflügen. Mit feiner Beobachtungsgabe seziert er menschliches Verhalten unter extrem langweiligen und eingeengten Bedingungen und mokiert sich über Tomatensafttrinker und drängelnde „Alpha-Kevins“ bei der Sitzplatzsuche. Als das Programm dann aber auf die eigene „Lauchkohlblähung“ kommt, die man dem stinkenden Frettchen neben sich gekonnt präsentiert, ist das Kreuzfahrtschiff dann aber auch wirklich auf Grund gelaufen.

Von Marie Varela

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