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„Aire Flamenco“ begeistern im Göttinger Nörgelbuff

Tanz als Ausdruck gelebter Intensität „Aire Flamenco“ begeistern im Göttinger Nörgelbuff

Kein Zentimeter Platz mehr im Göttinger Nörgelbuff, alle Stühle, jede Bank ist besetzt. Der Abend verspricht, heiß zu werden, es stehen andalusische Rhythmen und jede Menge südländisches Temperament auf dem Programm. Das Publikum wartet auf vier besonders energetische Interpreten: „Aire Flamenco“.

Die Gruppe um den aus Granada stammenden Sänger und Gitarristen El Caló und die cádizische Tänzerin La Marivi ist gekommen, um traditionellen, leidenschaftlichen Flamenco auf die Bühne zu bringen.

Keine Partituren, keine Dekorationen, keine Schnörkel. Alles, was die Interpreten mitgebracht haben, tragen sie am Leib und in den Händen. Und damit füllen sie den Raum. Die Hemden der Musiker, das Kleid der Tänzerin, ihre Schuhe und ihre Haarschleife sind rot, und das ist kein Zufall. Flamenco ist kein stiller Tanz, es ist ein Ausdruck gelebter Intensität. Daran lässt die Gruppe keinen Zweifel aufkommen. Einen gemäßigten „palo“ bringen die vier zur Einstimmung, dann schwingt sich Marivi auf die Spanplatte, die den energischen Schritten ihrer metallbeschlagenen Absätze standhalten soll. Der „baile flamenco“ (Flamencotanz), der für den ungeübten Zuschauer schwer zu durchschauen ist, folgt strengen Regeln und einer komplexen Fußtechnik. Marivi beherrscht diese perfekt und schafft es mühelos, in spontanem und improvisiertem Zusammenspiel mit Gitarren und „palmas“ (Klatschrhythmen) die verschiedenen „compás“ (metrische Grundmuster) mit dem Körper zu begleiten. Denn nicht nur die Füße, auch Armbewegungen, Handdrehungen („floreos“), Gesichtsausdruck und sogar die Blickrichtung bestimmen den Tanz.

Der Maestro, El Caló, singt derweil mit Inbrunst von Lebensfreude, Liebe, aber auch von Verzweiflung und Tod. Er hat eine vibrierende, eine feurige Stimme, mal leidet sie, mal transportiert sie pure Energie und Fröhlichkeit. Sie repräsentiert die „aire“ des Flamenco, den Ausdruck, die Stimmung. Das Verblüffende an Caló ist, wie selbstverständlich er Gesang und virtuoses Gitarrenspiel kombiniert. Tremoli, Accelerandi, Arpeggien, all das holt der Autodidakt mit Leichtigkeit aus seinem Instrument heraus. Die „aficionados“ (Flamencoliebhaber) sind begeistert und nutzen jede Pause, um die Leistungen des Quartetts mit Applaus zu quittieren.

Leichtigkeit ist es vor allem, was die Gruppe an diesem Abend vermittelt. Zu fortgeschrittener Stunde, nach mehr als 120 Minuten Performance und dem sechsten Kostümwechsel Marivis dürfen auch Senioritas aus dem Publikum auf der Bühne tanzen, bis der letzte Besucher verstanden hat, was El Caló und seine Kollegen zusammenhält: „Hier in Deutschland ist es kalt, wir brauchen Flamenco.“

Von Anna Kleimann

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