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Akademische Orchester-Vereinigung gibt Konzerte in Göttingen und Northeim

Ein Koloss und eine „Unvollendete“ Akademische Orchester-Vereinigung gibt Konzerte in Göttingen und Northeim

Zweimal hat am Wochenende die Akademische Orchester-Vereinigung Göttingen (AOV) ihr Semesterkonzert in der Region präsentiert: in der fast voll besetzten Göttinger Stadthalle und in der gut besuchten Stadthalle in Northeim. Dirigent Lorenz Nordmeyer hatte zwei Werke auf das Programm gesetzt: Franz Schuberts „Unvollendete“ und die 7. Symphonie von Anton Bruckner.

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Konzentriert: die Musiker der Akademischen Orchester-Vereinigung mit ihrem Dirigenten Lorenz Nordmeyer.

Quelle: EL

Northeim. Nur zwei Symphonien? Da ist das Wort „nur“ fehl am Platz: Bruckners Siebte ist geradezu ein Koloss, dazu ein Werk, an das sich die AOV in ihrer 108-jährigen Geschichte bislang noch nicht herangewagt hatte.

Man kann sehr wohl angesichts der hohen Ansprüche, die diese Symphonie an die Musiker stellt, Bedenken tragen, ob ein Liebhaberorchester diese Herausforderung bestehen kann. Doch solche Befürchtungen blieben gegenstandslos. Nordmeyer hatte gründliche Arbeit geleistet: Das reich besetzte Orchester spielte hochkonzentriert, ungemein präzise, beachtlich sauber in der Intonation auch in den Bläsergruppen, leidenschaftlich, lyrisch, dramatisch, entspannt, voranstürmend, mit großer Ruhe, mit anrührender Trauer und mit keckem Witz. In der Tat waren die Ausdrucksqualitäten erstaunlich vielfältig. Der Dirigent forderte sie auf ganz selbstverständliche Weise ein: Er ließ den musikalischen Phrasen Zeit zum Ausklingen und gestaltete die Tempi derart organisch, dass man den Eindruck gewann, die Musiker würden gemeinsam atmen.

Mit den Klangfarben ging Nordmeyer ähnlich sorgfältig um, ließ den Melodiestimmen gebührend Raum, dass sie vor dem Hintergrund der Begleitharmonien aufblühen konnten, forderte von den Streichern immer wieder einen ganz besonders vollen Ton ein. Der satte Sound der 13 Violoncelli dürfte den Zuhörern noch lange balsamisch im Ohr nachgeklungen haben, nicht minder der gewaltige und zugleich überaus weiche Klang der vier Wagnertuben, die das Klangbild dieser Wagner zugeeigneten Symphonie ganz charakteristisch färben.

Schuberts „Unvollendete“ war beileibe nicht auf die Rolle des Einspielstücks reduziert. Auch hier strömten die Melodien wunderbar organisch, die Tempi besaßen Ruhe, blieben aber nicht stehen, sondern strebten immer zielgerichtet voran. Eine besonders hübsche Idee Nordmeyers war es, auch das 20-taktige Fragment des dritten Satzes vorzustellen: So gewann man eine Ahnung, mit welchem Kontrast die Musik fortgesetzt worden wäre, hätte der Komponist die Gelegenheit zur Vollendung gehabt.

Der begeisterte, lang anhaltende Schlussapplaus des Publikums war hochverdient. Mit lautem Trampeln bedankten sich auch die Orchestermusiker bei ihrem Dirigenten: ein gelungener Abend, der in herzlichster Stimmung ausklang.

Von Michael Schäfer

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