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Akademische Orchestervereinigung in der Aula der Universität

Semesterkonzert Akademische Orchestervereinigung in der Aula der Universität

Bis an die Grenze ihrer Möglichkeiten seien sie gegangen: Mit diesem Satz hat Dirigent Lorenz Nordmeyer die Leistungen seiner Musiker der Akademischen Orchestervereinigung treffend beschrieben. Werke von Samuel Barber, Antonín Dvořák und Dmitri Schostakowitsch standen auf dem Programm, das am Wochenende zweimal vor fast ausverkauftem Haus in der Aula der Universität am Wilhelmsplatz zu erleben war.

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Schaffte das scheinbar Unmögliche: die Akademische Orchestervereinigung.

Quelle: Heller

Nur scheinbar konventionell sind die musikalischen Mittel, die Samuel Barber in seinem 1938 uraufgeführten „First Essay for Orchestra“ verwendet. Die Art und Weise, wie der Komponist die Bausteine zueinander in Beziehung setzt, ist ganz besonders kunstvoll. Das machten die Orchestermusiker unter der kundigen Leitung von Nordmeyer den Zuhörern sehr deutlich – und zwar trotz des großen instrumentalen Aufwands immer in klaren Strukturen.

Für das zentrale Werk des Abends war ein in Göttingen aufgewachsener Musiker aus Berlin angereist: der Cellist David Drost, dem hiesigen Publikum seit seinen frühen Erfolgen beim Wettbewerb „Jugend musiziert“ bestens vertraut. Seit 2006 ist der heute 31-Jährige Mitglied des Konzerthausorchesters Berlin. Er spielte den Solopart in Dvořáks Cellokonzert h-Moll: mit vielfältigen Ausdrucksqualitäten, die von lyrisch-zarten Kantilenen bis zu dramatischen Ausbrüchen der Leidenschaft reichen, technisch völlig souverän. Im Zusammenspiel mit dem engagiert begleitenden Orchester gab es keinerlei Probleme, weil Solo und Tutti stets sehr aufmerksam aufeinander reagierten. Dem spätromantischen Pathos ließen Nordmeyer und sein Solist angemessenen Raum zur Entfaltung, ohne die Musik billig zu sentimentalisieren.

Nicht minder gewichtig war das Schlussstück des Abends, die erste Symphonie f-Moll von Schostakowitsch. Hier ist in der Tat ein Liebhaberorchester bis an die Grenzen seiner Möglichkeiten gefordert. Den Instrumentalisten wird ein hohes Maß an Virtuosität abverlangt, rhythmische Standhaftigkeit auch in ausgesprochen widerborstigem Umfeld, dazu groteske und geradezu brutale Ausdruckswerte, die das klassisch-romantische Normalmaß weit übersteigen. An diesen hohen Anforderungen wuchsen die Musiker über sich hinaus und schafften das scheinbar Unmögliche. Der übliche Applaus reichte hier längst nicht mehr: Der Saalboden bebte unter dem begeisterten Trampeln der Zuhörer – und das Orchester hat einmal mehr bewiesen, dass es eindeutig in die Spitzengruppe der Liebhaberensembles der Region gehört.

Die nächsten Semesterkonzerte sind am 12. und 13. Juni geplant: Mahlers erste Symphonie steht auf dem Programm.

Michael Schäfer

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