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Akkord der Farben: zu Gast bei Erhard Joseph

„Künstler und ihre Ateliers“ Akkord der Farben: zu Gast bei Erhard Joseph

Etwa 40 Quadratmeter misst das helle und gut vier Meter hohe Atelier von Erhard Joseph in der Musa im Hagenweg. An den Wänden und in einer Regalecke lehnen viele Bilder aneinander. Bündel mit farbdurchtränkten Pinseln und jede Menge Gläser mit Farbpigmenten lassen das Auge schwelgen.

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Gut sortiert: das Atelier von Erhard Joseph erstrahlt vor lauter Farben.

Quelle: Heller

Göttingen. Farbvielfalt dominiert den Raum. Die Faszination Farben hat Joseph schon früh für sich entdeckt.„Mit Farbpulver habe ich als Zehnjähriger erste Erfahrungen gemacht.“ Und auch an Farbtuben in einer am Schulweg gelegenen Drogerie, die ihn einst „total angezogen haben“, erinnert sich der Künstler noch lebendig.

An der Fachhochschule Hannover hat Joseph Bildhauerei studiert, zudem Malerei an der Hochschule für Bildende Künste in Kassel. Dazu kommt eine Ausbildung zum Steinbildhauer. Seit mehr als 30 Jahren lebt Joseph in Wibbecke, wo er sich der Bildhauerei, Restaurierungs- und Auftragsarbeiten widmet. Im Hagenweg steht die Malerei im Mittelpunkt. Früher habe er mehr mit breitem Pinselquast und dickflüssiger Farbe gemalt, wobei ihn vor allem Form und Bewegung interessiert habe, erklärt Joseph. Dann habe sich seine Malerei immer mehr zur Farbe hin einwickelt.

Seit etwa 20 Jahren arbeitet der 67-Jährige konsequent an seinen Farbfeldkompositionen mit reinen Farbpigmenten. Dabei streut er in nasse Ölfarbe, die meist auf symmetrisch gefalteter Pappe, auf eingeschnittenen und gebrochenen Hartfaser- oder Sperrholzplatten aufgetragen ist, Farbpulver mit einem Teesieb ein. Durch Faltungen und Brechen entsteht in seinen Bildobjekten „das räumliche, dreidimensionale Element“, das den Betrachter an Gebirgszüge und Äcker denken und Landschafts- und Naturart assoziieren lässt. An den Bruchkanten treten Höhen hervor wie wenn Licht einfällt. Joseph nutzt Gesetzmäßigkeiten. „Malen ist für mich eine Form von Musikmachen, von Komponieren.“

Die Balance zwischen Fläche und Raum fordert den Maler heraus. Manche seiner Bilder bearbeitet, bemalt und bestreut er über Jahre. „Der Akkord, der Zusammenklang von Farben ist auch ein ganz wichtiges Thema“, sagt er. Entscheidend sei dabei, Farben konzentriert wahrzunehmen und in eine spannungsvolle Balance zu bringen. Und wenn er mal „farbmüde“ ist, arbeitet er auch mal an Objekten wie minimalistischen Figuren aus Eisendraht.

Was ist dem Künstler wichtig? „Schönheit, … bis es wehtut“, sagt Joseph lachend. „Es ist auch eine andere Dimension von Menschsein da, die immer wieder die Augen neu öffnet. Nach dem Malen sehe ich die Welt mit anderen Augen.“ Und welche Fragestellungen sind maßgeblich in seiner Arbeit? „Es hat etwas mit der tiefsten Sehnsucht im Menschen zu tun“, sagt Joseph. „Ich glaube, es ist die göttliche Dimension im Menschen. Es öffnet etwas in mir.“ Malerei ist für ihn ganz freie Arbeit aus einer inneren Notwendigkeit heraus. Und wo soll es hingehen? „Es wächst sozusagen“, sagt der Wibbecker. Auch wenn die Kunst Kraft koste und manchmal Abstand nötig sei. „Das Grundmuster ist die Faszination. Wenn die da ist, kann ich auch arbeiten.“

Von Karola Hoffmann

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