Volltextsuche über das Angebot:

10 ° / 6 ° Sprühregen

Navigation:
Midgley mit starker Technik

Konzert im Apex Midgley mit starker Technik

Er zählt zu den bedeutendsten Akustik-Gitarristen seiner Generation. Mit einer erfrischenden Spieltechnik und seiner kräftig, rauen Stimme ist der im englischen Oxfordshire lebende Schotte Matt Midgley in der Reihe „Saitensprünge“ auf der Kulturbühne im Apex aufgetreten.

Voriger Artikel
Vom Sinn und Unsinn der Bürokratie
Nächster Artikel
Viel Programm im Staatstheater Kassel

Göttingen. Nach Calum Graham stand mit Midgley nun ein weiterer junger Gitarrist, Sänger und Geschichtenerzähler mit einem ganz individuellen, sehr perkussiven Gitarrenstil auf der Bühne. Midgley hat gerade den vierten Teil seines 2012 begonnenen EP-Projekts „For Everybody and No One“ aufgenommen. Jede der nur in limitierter Auflage erschienenen EPs enthält drei Lieder und ist in Heim- und Handarbeit in Pappschuber gesteckt, die Midgley liebevoll gestaltete.

Mit wilder Haartolle und Akustikgitarre betritt er die Bühne und verspricht mit einem Schmunzeln vorwiegend „traurige und sehr traurige Lieder“. Göttingen sei die letzte Station seiner kleinen Tour, und er habe am Tag Zeit gehabt, sich die Stadt anzusehen. „A nice place“ sagt er.

Mit zarten Klängen zu „Hatchet“ beginnt sein musikalischer Vortrag. Im Laufe des Stücks hebt er seine Stimme immer mehr an. Ohne Unterbrechung geht es über in das sehr kraftvolle „For Everybody and No One“. Beide Stücke zeigen gleich zu Beginn seine gesanglichen und instrumentalen Facetten. Sein melodisch, mit feinstem Finger Tapping gespieltes, sehr perkussives Gitarrenspiel belebt und unterstreicht seine eigenen, sehr emotional vorgetragenen Kompositionen eindrucksvoll.

„Foster“ ist ein Stück über die erste Liebe und das schmerzvolle Fehlen eines Menschen nach der Trennung. Ein immer wiederkehrendes, per Loop generiertes Gitarrenthema belebt Midgley mit rasanter Perkussion, in dem er seine Gitarre mit allen zur Verfügung stehenden Teilen dazu benutzt. Wunderbar feinfühlige Klänge erzeugt er durch reines Antippen der Saiten in „Ribbon“, einem Song über seinen „favourite philosopher Nietzsche“. Seine beste Freundin, die ihm ein Dach über dem Kopf gegeben und einen Job besorgt habe, bedenkt er in „Carrier Wave“. Dabei changiert sein Gesang zwischen zarter Gelassenheit und wilden Ausbrüchen bis hin zum Schreien. In „Blood and Time“, einem Lied zu Ehren seiner Mutter, lässt er per Loop wunderbar melodische Landschaften entstehen, um dann seine Gitarre zur Seite zu legen und sich nur auf seinen Gesang zu konzentrieren. Zum Ende erleben die faszinierten Besucher mit dem Instrumentalstück „Ladies Night“ von Preston Reed, einem musikalischen Vorbild von Midgley, noch mal eindrucksvoll dessen atemberaubende Fingerfertigkeit.

 

Von Jörg Linnhoff

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Die Milchbar im Nörgelbuff