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„Alles ohne Gewähr“

Literaturherbst „Alles ohne Gewähr“

Kaum ein Jahr alt und schon die 25. Auflage: Die Schriftstellerin und Journalistin Dörte Hansen hat ihren Debutroman „Altes Land“ im Deutschen Theater vorgestellt. „Wer hat das Buch schon gelesen?“, fragt Moderator Stephan Lohr das Göttinger Publikum. Das Ergebnis fällt eindeutig aus: Alle.

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Lesung im Deutschen Theater Göttingen mit Dörte Hansen und dem Journalisten Stephan Lohr aus Hanover.

Quelle: Wenzel

Göttingen. „Das Schreiben ist ein Blindflug. Ich habe das Gefühl, ich reite ein Pferd. Es ist nicht schnell, aber stur. Eher ein Ackergaul als ein Trakehner“, beschreibt Hansen ihren Schreibprozess. Ihre Ideen notiere sie zuerst auf der Rückseite von Einkaufslisten, Kassenbons und Zeitungsrändern - je nachdem, wo sie sich gerade aufhält, wenn ihr ein Einfall kommt. Beim eigentlichen Schreiben ist sie jedoch dankbar für die Erfindung des Computers. „Ich schreibe sehr langsam. Einem Satz gehen häufig 70 verworfene Prototypen voraus“, erzählt sie.

Info

Dörte Hansen: „Altes Land“, Knaus Verlag, 288 Seiten, 19,99 Euro.

Diese Sorgfalt bei der Wortwahl merkt man ihrem Buch in jeder Zeile an. Geradezu poetisch schildert sie eine Familiengeschichte, in der sich das Flüchtlingstrauma des Zweiten Weltkrieges durch mehrere Generationen zieht. Berührend, das Klischee tangierend ohne ihm zu verfallen und manchmal amüsant bis satirisch widmet sich die Handlung gleichzeitig dem Lust-aufs-Land-Lifestyle der Hamburger Stadtmenschen. Verblendet von Bauernhof-Romantik suchen sie im alten Land die Selbstverwirklichung.

Ein „Werkstatt-Gespräch“ nennt Moderator Lohr die Lesung mit der nordfriesischen Autorin. Denn neben ihrem Bestseller las sie auch erste Auszüge aus dem neuen Roman, an dem sie arbeitet, vor. „Alles ohne Gewähr“, warnte Hansen ihr Publikum. Im neuen Roman, der noch keinen Titel trägt, wird es wahrscheinlich um einen Mann aus Nordfriesland gehen, der auf einem Gasthof aufwuchs. „Das ist ein Ort, an dem sich alle Fäden bündeln“, erklärt Hansen diese Wahl. Dort spiele sich über Stammtischrunden, Tanznachmittage und Beerdigungskaffees das gesamte Dorfleben ab. Sie will der Frage nachgehen, wie sich seit den 70er - Jahren der ländliche Strukturwandel vollzogen hat. Es habe einen ländlichen Umbruch gegeben: „Da ist alles weggebrochen, was ein Dorf zu einem autarken Leben braucht.“ Einen Toskana - Roman zu schreiben, würde Hansen auch sehr reizen: „Aber das hab ich wohl nicht in mir. Meine Figuren sind sehr eingebettet in ihre Landschaft.“ Auch die Handlung ihres zweiten Romans ist in Norddeutschland angesiedelt. Diesmal in Nordfriesland, wo die studierte Sprachwissenschaftlerin aufwuchs. In ihrer Kindheit sprach Hansen Plattdeutsch zu Hause. Ihr Interesse für Sprache schlägt sich auch in ihren Büchern wieder, wo das Plattdeutsche immer auch eine Facette der Persönlichkeit der Figuren ist. Nach dem Erfolg ihres Erstlings lastet ein gewisser Erwartungsdruck auf Hansen. Doch die ersten Passagen des neuen Manuskripts klingen vielversprechend.

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