Volltextsuche über das Angebot:

10 ° / 9 ° Regenschauer

Navigation:
Andrea Behn und Antje Hassinger stellen im Göttinger Künstlerhaus aus

„Zwischentöne“ Andrea Behn und Antje Hassinger stellen im Göttinger Künstlerhaus aus

Wenn ein Künstler mit einem Bild beginnt, kann er den ersten Arbeitsschritt auf vielfache Weise angehen. Andrea Behn schildert den ersten Schritt zu einem neuen Bild so: „Zuerst kritzel ich eine Skizze. Meistens auch mehrere.“ Kritzeln, das klingt nach einer impulsiven Arbeitsweise ohne viel Überlegung. Aber das täuscht.

Voriger Artikel
Kulturtipps für Göttingen von Jonas Rohde
Nächster Artikel
Reifeprüfung im Literarischen Zentrum Göttingen

Harmonisch: die Bildwelten der Dortmunder Künstlerinnen  Andrea Behn und Antje Hassinger.

Quelle: Heller

Göttingen. Zusammen mit Antje Hassinger präsentiert Behn im Künstlerhaus ihre Werke. Die Doppelausstellung trägt den Titel „Zwischentöne“. Wie Hassinger widmet sich Behn abstrakten Motiven. Ein Linienwirrwarr steht häufig im Mittelpunkt. Es organisiert sich zu einer kreisähnlichen Großform oder gehorcht anderen Ordnungsprinzipien wie der Anlehnung an die Senkrechte. Ein Bildthema, das auf den ersten Blick einen schnellen Zugriff vermuten lässt. Erst bei genauerem Hinsehen werden die unterschiedlichen Oberflächenbehandlungen deutlich, die einen methodischen Gestaltungsprozess dokumentieren. „Ich gehe sehr planvoll vor“, sagt Behn. Oft erinnern ihre Farbflächen im Hintergrund an Felsoberflächen oder Marmormusterungen und stehen mit ihrer gewichtigen Anmutung in einem spannenden Kontrast zum unbeschwerten Linienwust.

 
Beide Künstlerinnen wählen für ihre Bilder vorrangig Schwarz- und Weißtöne. Mit bunten Farben werden meist nur Akzente gesetzt. Das lässt die Bilder innerhalb der Ausstellung sehr harmonisch aufeinander wirken. Doch unterscheiden sich die Werkreihen deutlich.

 

Farbe Schicht für Schicht

 
So ähnelt Hassingers Vorgehen eher dem einer Plastikerin. Bevor sie beginnen kann, muss sie die Leinwand präparieren. Mit Klebeband zum Beispiel. Damit klebt sie Linien ab. Schicht für Schicht setzt Hassinger Farbe über die Leinwand, bis am Ende die Klebebänder wieder entfernt werden. Dadurch entstehen Bilder, die an Reliefs erinnern, und häufig aus parallelen Linien zusammengesetzt sind. Die Parallelität sorgt dabei für Stabilität und Ruhe. „Aber wenn man das Bild zu ruhig anlegt, dann wird es langweilig“, sagt Hassinger. Als Malerin setzt sie deshalb kleine Abweichungen ein, indem sie die Klebebandlinien brechen lässt und versetzt fortführt, um die strenge Parallelität aufzubrechen.

 
Ihre größte Verbündete, um die Bilder spannend zu machen, ist aber die Farbe selbst. Sie kriecht hier und da unter das Klebeband und bildet Kleckse. Durch den dicken Auftrag bröckelt die Farbe, bildet Risse oder wölbt sich beim Trocknen. So lässt Hassinger eine unebene Oberfläche entstehen, deren Ausprägung von nichts als dem Zufall abhängt und der Strenge diametral gegenübersteht.

 
Bis 14. Juni dienstags bis freitags von 16 bis 18 Uhr, an den Wochenenden von 11 bis 16 Uhr im Künstlerhaus Göttingen, Gotmarstraße 1.

Von Daniela Lottmann

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Die Milchbar im Nörgelbuff