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Andreas Döring inszeniert Arthur Millers Drama „Tod eines Handlungsreisenden“

Junges Theater Andreas Döring inszeniert Arthur Millers Drama „Tod eines Handlungsreisenden“

Das Junge Theater Göttingen beginnt das Jahr mit einem Pulitzerpreis-gekrönten Klassiker: Arthur Millers „Tod eines Handlungsreisenden“ feierte am Sonnabend im vollbesetzten Haus Premiere.

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Vater mit Söhnen: Pascal Goffin als Biff, Jan Reinartz als Vater Willy und Felix Steinhardt als Happy (von links).

Quelle: Eulig

Dunkel, sehr dunkel ist die Bühne. Mitten in der Nacht kommt Willy Loman (Jan Reinartz) nach Hause. Sein Zuhause ist ein schäbiges finsteres Hinterhofheim, in dessen trostloser Wohnküche mit Kellerwaschbecken und ramponierten Türen sich ein Großteil des 1. Akts des 1949 in New York uraufgeführten Gesellschaftsdramas abspielt. Die Zuschauer sitzen in Andreas Dörings Inszenierung wie voyeuristische Nachbarn vor dem verschlossenen Fenster und verstehen, wenn auch gedämpft, jedes Wort. Heile Welt sieht anders aus.

Willy ist seit 36 Jahren reisender Handelsvertreter, und er ist nervlich am Ende. Die Verkaufsmethoden seiner jüngeren Kollegen sind gewinnbringender als seine, und die zahlreichen weiten Autofahrten sind ihm zur Qual geworden. Nur zugeben wird er das vor seiner Familie nicht, die redlich bemüht ist, den Schein zu wahren.

Das geht natürlich nicht gut. Willys erwachsene Kinder Biff (Pascal Goffin) und Happy (Felix Steinhardt) sind in seinen Augen erfolglos. Als ihn der Juniorchef (Thomas Hof) schließlich feuert, verlässt Willy der Lebensmut. Denn weder er noch seinen Kinder haben es geschafft, den amerikanischen Traum zu verwirklichen. Loman will wenigstens für seine Frau Linda (Agnes Giese) ein wenig von diesem Traum retten. Er bringt sich um, und Linda kann mit dem Geld aus der Lebensversicherung neu starten.

Das Spiel im ersten Teil des Stücks bleibt nicht nur perspektivisch auf Distanz. Durch die Wahl der Kulisse im Inneren des Hauses entsteht schon allein durch das ständige Öffnen und Schließen der Türen eine Unruhe, die es kaum möglich macht, in die Handlung einzutauchen. Erst später, im zweiten Akt, ist dies gelungen. Die Szenerie verlagert sich mehr vor das Haus, es wird heller, was auch den Schauspielern gerecht wird. Denn sie müssen sich nicht verstecken. Reinartz mimt den verwirrten und deprimierten Willy kein bisschen distanziert. Er lebt diesen traurigen Menschen, für den das vermeintliche Glück immer nur haarscharf neben ihm einschlägt. Sein Bruder hat es geschafft. Ging mittellos in den Dschungel und kam nach wenigen Jahren als reicher Mann wieder heraus. Willy besitzt so gut wie nichts. „Ich möchte einmal erleben, dass mir etwas ganz gehört, bevor es kaputt ist“, sagt er resigniert.

Und nun sollen wenigstens Willys Söhne den Mythos vom amerikanischen Traum leben. Aber Biff sagt diesen einen zentralen Satz, mit dem klar ist, dass er die Erwartungen seines Vaters nicht erfüllt: „Ich weiß nicht, was Zukunft ist.“ Er lebt im Hier und Jetzt – wenn’s sein muss, eben als Tellerwäscher und nicht als Millionär. Dieses Schicksal wählt es aber auch, weil ihn seine Vergangenheit nicht loslässt. Er hat einmal versagt, und dieses Scheitern zieht sich durch sein Leben.
Mit Herzblut spielt Pascal Goffin spielt diesen unsicheren jungen Mann, der einfach nur in Ruhe leben und keinem unerreichbaren Traum hinterherhecheln will. Sein Showdown, bevor sich Willy schließlich das Leben nimmt, ist eine der stärksten von vielen emotionalen Szenen des Stücks. Am Ende bleibt nichts mehr im Dunkeln. Alle haben sich offenbart. Anne Giese, fabelhaft als nervös-loyale Ehefrau, setzt mit dem tränenlosen Requiem einen Schlusspunkt, der die Zuschauer ganz nah heran holt und ihn berührt in die Dunkelheit entlässt.

Von Eida Koheil

Nächste Termine im Jungen Theater Göttingen, Hospitalstraße 6: 8., 10., 11., und 15. Februar. Kartentelefon: 05 51 / 49 50 15.

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