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Anke Martiny mit ihren Memoiren im Literarischen Zentrum Göttingen

Aus Lust, etwas zu verändern Anke Martiny mit ihren Memoiren im Literarischen Zentrum Göttingen

Die SPD-Politikerin und ehemalige Bundestagsabgeordnete Anke Martiny hat im Literarischen Zentrum ihre Memoiren vorgestellt. „… und vor allem muss man jederzeit als voller Mensch leben.

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Quelle: EF

Göttingen. Als Frau in der Politik“ heißt das Buch, dessen Titel auf einem Zitat von Rosa Luxemburg gründet. Das Zentrum war gut gefüllt. Die Moderation übernahm die Sachbuchautorin und Journalistin Julia Encke.

„Der Musiklehrer ist ein Hammel“. Das habe öffentlich geschrieben werden müssen, denn der Lehrer sei unverschämt gegenüber ihrer Mitschülerin gewesen, erklärt Martiny, die für ihre Schmiererei im Klassenzimmer einst mit einer Strafe durch die Klassenkonferenz belegt wurde. Man verlangte, dass sie die Kritzelei wegwischte, „nicht aber, dass ich mich entschuldigte. Das hätte ich nämlich auch nicht getan.“

Mit diesem Blick in die Jugendzeit schildert Martiny, Jahrgang 1939, wie sie schon als Kind mit einem starken Sinn für Gerechtigkeit ausgestattet gewesen sei. Martiny studierte in Wien und Berlin, aber auch in Göttingen Musikwissenschaften, Theaterwissenschaften und Soziologie, und schloss mit einer Promotion über die Oratorien von Josef Haydn ab. Ab 1972 arbeitete sie als Musikkritikerin beim Göttinger Tageblatt. „Ich verbinde viel mit der Stadt. Deshalb werde ich hier auch, anderes als anderswo, das Kapitel über Göttingen lesen“, sagt Martiny.

Nicht immer kommt ihre Studienstadt dabei gut weg. In der Passage über Göttingen, „die Stadt kam mir kleinbürgerlich und ein bisschen spießig vor“, erzählt Martiny von Professoren, die über weibliche Studierende eine festgefahrene Meinung gehabt hätten. „Sie sind doch schon verlobt“, habe einer ihren Verlobungsring kommentiert, und damit wohl klarmachen wollen, dass die Universität nicht der richtige Ort für sie sei. „Frauen studierten, weil sie nicht hübsch genug waren“, sei damals eine gängige Meinung vieler Männer gewesen.

In ihrem Buch erzählt Martiny immer wieder über solch sexistische und frauenfeindliche Positionen, mit denen sie  in Berührung gekommen ist. Beeindruckend sind aber auch jene Passagen, die ihren Werdegang beschreiben. „Ich habe eigentlich immer Musik gemacht. Oder bin ins Theater gegangen. Oder habe gelesen. Für Politik habe ich mich eigentlich nicht interessiert“, sagt Martiny und erzählt, wie sich ihr politisches Engagement erst mit der Zeit entwickelte. „Hier haben wir das, wie ich mir denke, so müsste es sein“, kommentiert Encke die Politikerpersönlichkeit Martiny, die nie auf eine Laufbahn als Berufspolitikerin hingearbeitet hat, sondern aus Lust, etwas zu verändern in diese Position gerutscht ist.

Von Daniela Lottmann

Anke Martiny: „… und vor allem muss man jederzeit als voller Mensch leben. Als Frau in der Politik“, Nikolai-Verlag, 328 Seiten, 24,95 Euro.
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