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Ansteckende Spielfreude

Göttinger Aulakonzert mit drei Nachwuchskünstlern Ansteckende Spielfreude

Ein Abend in der Saison der Aulakonzerte ist traditionell dem musikalischen Nachwuchs gewidmet. Am Sonntag waren drei junge Musiker der „Bundesauswahl Konzerte junger Künstler“ zu Gast, alle Mitte zwanzig, alle hochqualifiziert. Sie boten Musik von Schubert, Weber, Debussy, Villa-Lobos und Françaix.

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Trio Levin-Drescher-Dupree beim Aulakonzert.

Quelle: Wenzel

Göttingen. Zur Eröffnung stellte Pianist Frank Dupree seine Version von Schuberts „Wanderer-Fantasie“ vor. Interessanterweise lässt sich dieses Solostück tatsächlich so spielen, als sei es ein Werk von Liszt, ohne dass der Notentext dabei verändert wäre: mit kraftbetontem Anschlag, mit prasselnden Fortissimo-Oktaven und mit reichlichem Pedaleinsatz, der aus feinen Linien ein Klangmeer werden lässt. Das ist enorm eindrucksvoll, pianistisch eine große Herausforderung und zeigt eine Facette der Musik Schuberts überdeutlich. Allerdings bleiben vielerorts Transparenz und Poesie auf der Strecke. Das ist schade.

In Webers g-Moll-Trio für Klavier, Flöte und Violoncello hielt sich Dupree selbstverständlich deutlich zurück, um seinen Kollegen, dem aus Israel stammenden Flötisten Elya Levin und der Cellistin Simone Drescher, angemessen Raum zu geben. Das war kammermusikalische Kunst vom Feinsten, ein fein durchgehörtes Zusammenspiel mit blühendem, schlankem Flötenton und einem bemerkenswert kantablen, warmen Cello-Klang.

In Debussys „Prélude à l’après-midi d’un faune“ bewährte sich Dupree nicht nur als sensibler, klangzaubernder Pianist, sondern auch als geschickter Arrangeur. In seiner Trio-Bearbeitung hatte er alle sanglichen Linien (einschließlich der originalen Flöten-Solopartie) seinen beiden Kollegen anvertraut. Er selbst sorgte für das Orchestertutti, dessen betörende Farbwirkungen er auf den Tasten bewundernswert nachkolorierte.

Zum Ausgleich für seinen eröffnenden Solo-Beitrag durften sich anschließend Flöte und Violoncello klavierlos präsentieren: im Duo „Assobio a jato“ des brasilianischen Komponisten Heitor Villa-Lobos. Der Titel heißt in englischen Ausgaben „The jet whistle“, also etwa „Der Düsenpfiff“. Das unterhaltsame Werk stellt beiden Solisten geradezu halsbrecherische Aufgaben, führt sie in schwindelerregende Höhen und garantiert bei entsprechender Wiedergabe Beifallsstürme, die am Sonntag dementsprechend lautstark ausfielen.

Den Schlusspunkt bildete das Trio für Flöte, Violoncello und Klavier von Jean Françaix. Diese heitere, ja gewitzte Musik bereitete dem Publikum sichtlich viel Vergnügen, denn die drei jungen Musiker widmeten sich ihren Aufgaben nicht nur mit großer Souveränität und Bravour, sondern auch mit ansteckender Spielfreude.

Dementsprechend ausdauernd prasselte der Beifall. Die Lautstärke ließ vergessen, dass die Aula höchstens zu zwei Dritteln besetzt war. Zwei Zugaben zum Dank: Webers „Aufforderung zum Tanz“ und Piazzolas „Otoño Porteño“.

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Von Redakteur Michael Schäfer

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