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Antje Thoms inszeniert „Mio mein Mio“ im Deutschen Theater Göttingen

Vom Niemand zum Königssohn Antje Thoms inszeniert „Mio mein Mio“ im Deutschen Theater Göttingen

Bo Vilhelm Olsson, genannt Bosse, hat es eigentlich immer gewusst. Sein Vater kann kein Lump sein, wie es seine garstigen Pflegeeltern immer behaupten. Aber gleich ein König? So magisch geht es in Astrid Lindgrens Kinderbuchklassiker „Mio mein Mio“  aus dem Jahre 1954 zu. Das Familienstück von Anna-Liese Kornitzky nach dem Buch hatte am Sonntag Premiere im Deutschen Theater Göttingen.

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Buntes Völkchen: Gaby Dey, Maurizio Micksch, Moritz Schulze, Ralf Sepan, Jan Hendrik Huttanus, Felicitas Madl und Lisa Schwindling (v. l.).

Quelle: Winarsch

Göttingen. Regisseurin Antje Thoms hat dem Stück einen bunten Mantel übergeworfen. Die Kostüme in kräftigen Farben, verziert mit floralen Mustern (Sonja Kloevekorn), sind ein Augenschmaus, und auf der Bühne regnet es noch dazu zarte, hellgrüne Blätter.

So erschließt sich schon rein optisch der Gegensatz zwischen dem Reich von Mios Vaters und dem „Land Außerhalb“, wo der grausame Ritter Kato und die Farben Schwarz und Grau herrschen. Nur der schwarze Trauervogel zeugt davon, dass auch im „Land der Ferne“ nicht alles eitel Sonnenschein ist.

Jan Hendrik Huttanus brilliert als Trauervogel und erinnert in seiner vampirhaften Aufmachung doch stark an Bill Kaulitz von Tokio Hotel. Alle haben auf Bosse (spielfreudig: Moritz Schulze) gewartet, der eigentlich Prinz Mio heißt und nur kurz das Zusammensein mit seinem wiedergefundenen Vater, dem König, genießen kann.

Die Begegnung von Vater (Andreas Jeßing, überzeugend auch in weiteren Rollen) und Sohn ist ein großer, unter die Haut gehender Moment der Inszenierung, die auf weiten Strecken eine unterhaltsame Frische-Kur des Textes darstellt, es aber manchmal im Tempo und im Bestreben, lustig sein zu wollen, übertreibt.

Eine jahrtausendalte Sage verkündet, der junge Mio sei dazu auserkoren, gegen Ritter Kato zu kämpfen und die von ihm geraubten Kinder zu befreien. Die Kraft und Unausweichlichkeit dieser Prophezeiung entfaltet sich in der literarischen Vorlage vor allem durch die märchenhaften Elemente, die poetische Sprache und die zahlreichen Wiederholung der Sage.

Vom „Brunnen, der am Abend raunt“ erfährt Mio, wozu er bestimmt ist. Leider wird diese bedeutsame Szene durch die seltsam herrische Darstellung des Nonno (Maurizio Micksch), der auf den Boden stampft, damit die Stimme aus dem Brunnen nicht hakt, ins Lächerliche gezogen. Dabei geht es um nichts weniger als um den Kampf von Gut gegen Böse und um die Macht der Freundschaft.

Denn nur sein Freund Jum-Jum (Felicitas Madl) steht Mio auf seinem schweren Weg zur Seite, nicht zuletzt mit Karate. Die Zuschauer ab sechs Jahren fiebern merklich mit, und die Spannung bei einem kleinen Zuschauer entlädt sich beim Duell mit Ritter Kato in einem „Los! Mach schon!“, was zu allgemeinen Erheiterung beiträgt.

Gefallen findet auch die eingängige Komposition Fred Kerkmanns, „Mios Lied“, die zum Mitsingen einlädt, was viele Zuschauer nach dem ausgiebigen Premierenapplaus zusammen mit dem Ensemble dann auch tun.

Bis zu den Weihnachtsfeiertagen steht „Mio, mein Mio“ beinahe täglich – bisweilen auch zweimal – auf dem Spielplan des Deutschen Theaters, Theaterplatz 11. Kartentelefon: 05 51 / 49 69 11.

Von Marie Varela

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