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Anton Kannemeyer nimmt sich in seines Comics Rassismus vor

Bittere Komik Anton Kannemeyer nimmt sich in seines Comics Rassismus vor

Auf den ersten Blick führt da Hergé den Zeichenstift, der legendäre Schöpfer von Tintin, in Deutschland besser bekannt als „Tim und Struppi“. Doch hier leben Hund und Herrchen jenen weißen Rassismus offen aus, den Hergés „Tim im Kongo“ nur verdeckt enthält: Der „Tintin“ des südafrikanischen Graphic-Novel-Autors Anton Kannemeyer zieht als mordendes Monstrum durch den Schwarzen Kontinent.

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Gegen den rassistischen Strich: Anton Kannemeyers provokante Version von „Tintin“.

Quelle: EF

Wie hier zieht sich ein alles andere als schmeichelhaftes Bild vom weißen Patriarchen durch Kannemeyers Band „Papa in Afrika“.

In Kapstadt ist Kannemeyer 1967 geboren, dort hat der Weiße Kunst studiert und 1992 mit einem Kollegen das Magazin „Bittercomix“ gegründet. Mit dessen antirassistischen Bildergeschichten hat er zweifellos einen Beitrag zum Ende der Apartheid 1994 geleistet.

Noch heute sind seine Themen die durch die ökonomische Kluft zwischen Schwarzen und Weißen faktisch weiter bestehende Rassentrennung und der alltägliche Rassismus. Zeichnerisch nutzt Kannemeyer vor allem bei seinen Hergé-Parodien dessen Ligne claire. Neben dieser klaren Linienführung bietet der Band fast fotorealistisch präzise Zeichen- und Aquarelltechnik sowie wilde Collagen und Gekritzel, das vom US-Künstler Robert Crumbs inspiriert sein könnte.

Schade nur, dass dieser künstlerischen Vielfalt nicht mit mehr editorischer Sorgfalt begegnet wurde. So kann man das Entstehungsjahr einzelner Strips oft nur raten. Und die Rolle des Comics vor und nach der Apartheid hätte genauer geschildert werden können als im Nachwort von Jonas Engelmann.

Anton Kannemeyer: „Papa in Afrika“. Avant-Verlag, 64 Seiten, 19,95 Euro.

Von Daniel Alexander Schacht

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