Volltextsuche über das Angebot:

10 ° / 6 ° Sprühregen

Navigation:
Applaus Seedcake und The Aqualung im Göttinger Nörgelbuff

Der Geruch von Rock Applaus Seedcake und The Aqualung im Göttinger Nörgelbuff

Doppelkonzert im Nörgelbuff: Die Bands Seedcake und The Aqualung sind am Donnerstagabend und treffen auf ein Publikum, dass statt zu tanzen lieber ganz genau hinhören und vor allem beobachten will.

Voriger Artikel
Marica Bodrožić mit „Mein weißer Frieden“ im Literarischen Zentrum Göttingen
Nächster Artikel
Fotografien von Magdalena Abele im Künstlerhaus Göttingen

Jan Hagerodt.

Quelle: EF

Göttingen. Mehrere Male wird der arme Tropf von hinten an die Schulter getippt, und freundlich darauf hingewiesen, dass er die Sicht versperre. Er trollt sich, läuft durch den Raum und sucht nach einer passenden Stelle, wo er bleiben kann.
Was sich wie eine Beobachtung aus einem Kino oder Theater, wo gute Sicht wirklich nicht zu verachten ist, anhört, findet tatsächlich bei einem Konzert statt. Seedcake ist eine Band aus Göttingen, die schon einen ihrer ersten Gigs im Nörgelbuff spielte. „Damals leitete das ein Grieche. Und es roch auch immer nach Grieche. Also nach griechischem Essen“, erzählt Gitarrist und Sänger Jan Hagerodt. „Jetzt riecht es nur noch nach uns.“

So lustig und vielleicht ein wenig verrückt die Ansagen sind, so gut kommt auch ihre Musik an. Gespielt wird solider Progressive-Rock, mit deutlichem Einschlag ins Elektronische. Dafür sorgt Keyboarder Fabian Walter, der die Songs mal mit glockenhaften Klängen würzt, mal die Geräusche eines vorbeifliegenden Ufos imitiert.

The Aqualung dagegen verzichten auf das Keyboard und setzten dafür gleich zwei Gitarristen ein. Die doppelte Besetzung bringt einen satten Sound und schafft Platz für Experimente. So nutzt Daniel Höft eine Spitzzange, um über die Saiten seiner Gitarre zu gleiten. Die Töne, die er auf diese Weise seinem Instrument entlocken kann, gehören zu einem Vorspiel vor dem ersten Song. Sehr lange spielt The Aqualung sehr leise – und bricht dann aus.

The Aqualung spielen Alternative-Rock mit Hang zu großen Gegensätzen. Laut und leise, schnell und langsam lauten die offenkundigen Kategorien. Eigentlich steckt aber mehr dahinter, Anspannung und Lockerung, Ekstase und Klarheit.

Immer wieder beginnen Songs mit leiserem Vorspiel ohne Schlagzeug. Häufig folgen diese Sequenzen keiner übergeordneten Melodie, sondern bestehen aus Klangfolgen, die leicht variiert werden. Dem Zuhörer werden damit klare Aufgaben zugeteilt; Veränderungen wahrnehmen und Muster erkennen. Gerade darin besteht der Reiz von The Aqualung. Sie fordern den Zuhörer auf, selbst zu entdecken. Das gefällt. Am Ende gibt es viel Applaus für beide Bands.

Von Daniela Lottmann

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Die Milchbar im Nörgelbuff