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Arc-Ensemble gastiert in der Göttinger Aula am Wilhelmsplatz

Serie „Musik im Exil“ Arc-Ensemble gastiert in der Göttinger Aula am Wilhelmsplatz

Osterferien und ein sperriges Programm: Dünner besetzt als sonst war die Aula der Universität am Sonntag beim Konzert der Göttinger Kammermusikgesellschaft, in dem das kanadische Arc-Ensemble Toronto gastierte.

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Das Arc-Ensemble: Benjamin Bowman und Marie Bérard, Bryn Epperson und Steven Dann (vorn, von links), am Flügel David Louie.

Quelle: Heller

Göttingen. „Arc“ steht für „Artists of the Royal Conservatory“, die Mitglieder sind Pädagogen an diesem Institut. Spezialisiert sind sie auf Musik jenseits des gängigen Repertoires. In seiner Serie „Musik im Exil“ hat sich das Ensemble Komponisten gewidmet, die in der 1930er-Jahren aus Europa fliehen mussten. Das passt perfekt zum Saisonthema der Göttinger Kammermusikgesellschaft, die vor allem politisch verfemte Komponisten zu Wort kommen lässt.

Zwei gewichtige Werke standen auf dem Programm: das 1944 komponierte Klavierquintett op. 18 des polnischen Komponisten Mieczysław Weinberg (1919-1996), der von 1943 an in Moskau lebte und unter Stalin des „Formalismus“ bezichtigt wurde, dazu das Streichsextett G-Dur von Adolf Busch (1891-1952), der Deutschland 1933 wegen des Nazi-Antisemitismus verließ und in die USA übersiedelte. Bei Weinbergs Klavierquintett mag man kaum glauben, dass dies das Werk eines 25-Jährigen ist. Es ist eine beklemmend ernste, kantige Musik mit existenziellem Tiefgang. Attribute wie „gefällig“ oder „spielerisch“ wären undenkbar. Da gibt es marschähnliche Passagen, bei denen einem förmlich der Boden unter den Füßen weggezogen wird. Das zweite Scherzo (Presto) scheint ins Verderben zu rasen, und die walzerartigen Stellen haben nichts mit der schönen blauen Donau zu tun, sondern klingen nach Tod und Untergang.

Das Busch-Sextett schlägt da wesentlich versöhnlichere Töne an. Ja, hier geht es tatsächlich auch um Schönheit des Klanges, das Ganze aber ist verknüpft mit einer beinahe aberwitzigen Lust an kontrapunktischen Künsten, an denen Max Reger sicherlich seine Freude gehabt hätte.

Der Abend war eine faszinierende Entdeckungsreise in unbekannte musikalische Regionen. Mit einem kleinen Einwand: Im Weinberg-Quintett wäre die musikalische Aussage auch ohne die brutalen dynamischen Spitzen (für die primär wohl vor allem der Pianist sorgte) verständlich gewesen. Dafür ließen sie im Busch-Sextett den Wohllaut so blühen, dass es einem ganz warm ums Herz wurde. Den begeisterten Applaus des Publikums belohnten sie mit dem zweiten Satz aus Tschaikowskys Streichsextett „Souvenir de Florence“.

Das Arte-Ensemble aus Hannover gastiert zum Saisonschluss der Aulakonzerte am Sonntag, 26. April, um 19.45 Uhr in der Aula der Universität.

Von Michael Schäfer

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