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Weltmusik von ergreifender Traurigkeit

Ariana Burstein und Roberto Legnani Weltmusik von ergreifender Traurigkeit

Von ergreifender Traurigkeit ist die Musik für Cello und Gitarre, die das Duo Ariana Burstein und Roberto Legnani am Dienstagabend im Holbornschen Haus in Göttingen virtuos geboten hat. Die Melancholie durchdrang die spanischen und jüdischen, irisch-keltischen und chinesischen Kompositionen.

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Ariana Burstein (Cello) und Roberto Legnani (Gitarre) im Holbornschen Haus.

Quelle: Niklas Richter

Göttingen. Langsam und weich strich Burstein den Bogen über die Saiten ihres von Konrad Stoll gebauten Instruments. Mit geschlossenen Augen spielte sie, ging ganz in der Musik auf. Die bewegenden Klänge des Cellos unterstrich Legnani mit seiner Hopf-Gitarre „La Portentosa“. Schweigend spielten die beiden Künstler ein Stück nach dem anderen, standen nur jeweils kurz auf, um sich für den Applaus mit einer Verbeugung zu bedanken. Nur vor der Pause und am Konzertende richtete Legnani, der in Freiburg studiert hat, ein paar knappe Worte ans Publikum.

Den Abend begannen die beiden, schwarz gekleideten Musiker mit zwei eigenen Stücken. Sie haben sie dem keltischen Königspaar Sheehan von Tir Na Nóg gewidmet, einem mystischen Ort ewiger Jugend. „Karawanserei“ nannte sich das eine Werk – nach den orientalischen Herbergen für reisende Händler. Um das Gefühl des Unterwegssein ging es auch in „Never Ending Road“.

Zwei melodie- und rhythmenreiche Stücke des spanischen Komponisten Gaspar Sanz (1640-1710) erklangen: „Vieja Castilla“ und „Las Hachas“. Von Sanz stammt eines des ersten Lehrwerke für Gitarre, das 1674 erschien. Ebenfalls aus Spanien stammte Komponist Enrique Granados (1867-1916), von dem es die „Valses Poéticas“ zu hören gab. Dieses Werk spielte Granados, ein Erneuerern der Musik seines Landes, 1916 im Weißen Haus. US-Präsident Woodrow Wilson hatte den Klaivervirtuosen eingeladen. Als Granados mit seiner Frau nach Europa zurückkehrte, griff ein deutsches U-Boot das Schiff an. Der Musiker konnte sich retten, sprang dann aber wieder zurück ins Wasser. Er hatte seine Frau im Meer treiben sehen. Sie ertranken beide.

Lebhaftere, fast fröhliche Passagen enthielt eine Vertonung der 40 Jahre währenden Wüstenwanderung des Volkes Israel, die das Duo komponiert hat. Sukkot, Etam und Jam Suf nannten sich die Sätze. Legnani verwendete seine Gitarre dabei eindrucksvoll als Perkussionsinstrument.

Keltliche Klänge entlockten die Musiker Cello und Gitarre bei zwei Stücken des „Carolan's Concerto“. Legnani hat diese Werke des irischen Harfenisten Turlough O'Carolan (1670-1738) auskomponiert: „Fanny Power“, das Loblied auf eine junge Frau, und „Carolan's Favourite Jig“.

Sehnsucht schwingt in „Asturias“ mit, in dem der spanische Komponist Isaac Albéniz (1860-1909) während seiner letzten Lebensjahre in Paris die Erinnerung an seine Heimat beschwor. Musikalische Miniaturen schuf das Duo in seinen Stücken „Gesichter der Nacht“. Von einer Liebesbeziehung, die nur in der Fantasie existiert, handelt „Sono pazzo di te“. In „Fra venti ninuti“ geht es um eine nächtliche Autobahnfahrt. Auf einem Chanson von Yves Montand basiert „Les feuilles tombantes“, in dem fallendes Laub Erinnerungen an eine alte Liebe weckt. Astor Piazzola inspierte die Musiker zu „Un poca más de Tango“.

Ein chinesisches Liebeslied arrangierte das Duo für Cello und Gitarre. Fernöstlich klangen mit einem Mal ihre Instrumente. Traurig wurde es dann mit „Krakau 1941“, das an die Shoah, den Massenmord an den Juden während des Zweiten Weltkriegs, erinnerte. Mit „Mazal Tov“, einem jüdischen Segen, in dem noch einmal Lebensfreude aufblitzte, endete das Programm. Als Zugabe erklangen swingende, jazzige Melodien, die eine Katze in Paris aufgeschnappt hat.

Reisende

Als Reisende sehen sich Ariana Burstein und Roberto Legnani, die seit 21 Jahren gemeinsam auftreten. Burstein kam im argentinischen Buenos Aires zur Welt. Sie studierte dort sowie in Uruguay und Israel Cello. Von 1973 bis 1978 gehörte sie dem Kibbutz Chamber Orchestra als Solistin an. 1978 zog sie nach Deutschland, wo sie seither unter anderem in Rundfunk- und Fernsehaufnahmen mitwirkte. Konzertreisen führten sie durch Europa, Südamerika und Israel. Legnani hat an der Staatlichen Hochschule für Musik und an der Universität Freiburg studiert. Er gab als Gastdozent Gitarrenseminare in den USA und Südkorea. Auch er machte Aufnahmen für Rundfunk und Fernsehen und absolvierte Tourneen. Das nächste Konzert steht am Sonntag, 9. Juli, in Osterode an. Beginn ist um 18 Uhr im Museum im Ritterhaus.

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