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"Armide" in der Klosterkirche Nikolausberg

Opernaufführung "Armide" in der Klosterkirche Nikolausberg

Eine Kirche ist kein Opernhaus. Doch kann sie für eine Oper durchaus einen würdigen Rahmen bieten. Am Sonntag gab es Jean Baptiste Lullys „Armide“ in der Klosterkirche Nikolausberg, ein barockes Meisterwerk aus der Zeit des Sonnenkönigs Ludwig XIV. – am Ende mit Standing Ovations für das junge Team.

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Jean Baptiste Lullys "Armide" wird in der Klosterkirche Nikolausberg aufgeführt.

Quelle: Heller

Fünf Akte lang geht es um den Widerstreit zwischen Rache und Liebe, Ruhm und Gefühl, Herz und Verstand. Am Ende muss Zauberin Armide auf ihren heißgeliebten Renaud verzichten. Er zieht wieder in den Kampf, um Ruhm zu erringen. Sie dagegen entschwindet in die Lüfte.

Das hat Lully mit wunderschöner Musik umhüllt, die an den dramaturgisch entscheidenden Stellen die Affekte konturenscharf nachzeichnet. Wie groß die Wirkung dieser Musik gewesen ist, zeigt der Umstand, dass Bach in seiner Matthäuspassion ein Thema aus Lullys „Armide“ wörtlich zitiert.

Nikolausberg.

In einer Klosterkirche kann man nicht Paläste, Triumphbögen oder anmutige Landschaften mit Flussinseln errichten. Dementsprechend war die vordere Spielfläche für Solisten und Chor so gut wie leer. Im hinteren Bereich sorgten drehbare Spiegelpfeiler hinter einem halbdurchsichtigen Vorhang für belebende Lichteffekte, ein großes Ruhebett schloss den Bühnenbereich nach hinten ab. Für die Zuschauer in den Seitenschiffen gab es zwei große Leinwände, auf die das Geschehen mit Videokameras übertragen wurde.

Die Idee zu diesem ungewöhnlichen Projekt stammt von dem jungen Kirchenmusiker Antonius Adamske, der dafür seinen Kammerchor St. Petri Weende, das stilsichere und hochprofessionelle Barockorchester Musica Affettuosa Borussica Potsdam und ein Ensemble von sechs jungen Gesangssolisten zusammengebracht hatte. Unter den Solisten muss an erster Stelle die Mezzosopranistin Anna Bineta Diouf genannt werden. Sie gestaltete ihre Titelrolle mit großer darstellerischer und stimmlicher Intensität, mit packender Dramatik und anrührenden Gefühlen. Ihr Stimmumfang reicht von eindrucksvollen Tiefen bis in mit Leichtigkeit beherrschten hohe Lagen. Mit Johanna Neß und Sophia Körber standen ihr zwei stimmlich flexible Sopranistinnen an der Seite, die ebenfalls vokale Glanzlichter aufsetzten.

Eine bemerkenswerte Ausstrahlung brachte der Tenor Robert Macfarlane als Renaud mit, der auch die heiklen Spitzentöne seiner Partie ohne Anstrengung meisterte. Zuverlässig ergänzt wurde das Ensemble durch den Tenor Daniel Preis und den Bassbariton Mathias Tönges.

Sehr engagiert sangen die rund 20 Choristen ihren Part. Der Versuch des Regisseurs Freimund Pankow, sie aktiv ins Spielgeschehen einzubeziehen, gelang allerdings nicht immer auf gleich hohem Niveau. Die musikalische Spannung in der inclusive Pause fast vierstündigen Aufführung ließ nirgends nach: das Verdienst des ungemein lebendigen, stets fordernden Dirigats von Antonius Adamske. Begeisterter Beifall.

Von Michael Schäfer

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