Volltextsuche über das Angebot:

20 ° / 13 ° Regenschauer

Navigation:
Audiovisuelle Bildersprache

Kunstwerk des Monats: Video Audiovisuelle Bildersprache

Die Schweizer Künstlerin Pipilotti Rist war in den 1990er Jahren der Shooting-Star der Videokunstszene und hat diese mit ihren opulent-sinnlichen Videobändern und Videoinstallationen mächtig aufgewirbelt.

Voriger Artikel
Elchpreis für Dittsche
Nächster Artikel
Maulwurf, Frosch & Co. bekommen Zuwachs

Mit gezieltem Unschärfe-Einsatz: Szene aus „I‘m not the girl who misses much“.

Quelle: EF

Bis heute ist die Künstlerin, die in den 80er Jahren in Wien an der Hochschule für angewandte Kunst studierte, bevor sie in Basel in der Videoklasse der Kunstgewerbeschule ihr Ausdrucksmedium fand, eine subversive Ästhetin, die reflektierend auf die spezifischen Eigenschaften des audiovisuellen Mediums Video ihre ganz eigene Bildsprache gefunden hat und, wie sie selbst den kreativen Produktionsprozess ihrer elektronischen Bilder in Worte fasst, mit „der Hirnzunge die Bilder knapp vor und knapp hinter den Augendeckeln“ mischt.

„Video ist die Synthese von Musik, Sprache, Malerei, Bewegung, miesen, fiesen Bildern, Zeit, Sexualität, Erleuchtung, Hektik und Technik. Das ist das Glück des Fernsehschauenden und der Videokünstler“, erläutert Pipilotti Rist, die sich selbst als „Fernsehkind“ beschrieb, als sie sagte: „Meine Hautfarbe ist weiß, ich stamme aus der ersten Welt und lebe im ausgehenden 20. Jahrhundert. Vor allem aber bin ich ein typisches Fernsehkind, das mit diesem Medium aufgewachsen ist. Ich kenne das Gefühl, nicht mehr unterscheiden zu können, was ich am Nachmittag im Wald und danach im Fernsehen erlebt habe. Das ist das typische Phänomen der TV-Generation. All das fließt in meine Arbeit ein.“

Das Videotape „I’m not the girl who misses much“, das im Jahr 1986 entstand, ist eine ihrer ersten Arbeiten im Medium Video. Das Tape editierte die Künstlerin in einer „Luxusschachtel“ als limitierte Auflage von 300 Exemplaren als VHS-Kassette. Es findet sich in der Kunstsammlung der Georg-August-Universität Göttingen, neben Druckgraphik, Gemälden und Skulpturen aus fünf Jahrhunderten und zudem weiteren rund einhundert Künstler-Videos.

Der fünfminütige Film, der im Rhythmus der im Tempo manipulierten Tonspur geschnitten ist, zeigt eine Frau in wilden Tanzbewegungen und -verrenkungen, die singend ununterbrochen den einen Vers wiederholt: „I’m not the girl who misses much“. Die Tänzerin trägt dabei ein schwarzes, sehr tief ausgeschnittenes Kleid. Das Tape arbeitet mit Brüchen, Schnitten, Unschärfen, Störungen, Beschleunigung und Zeitlupe, farblich verfremdeten Aufnahmen wie auch Schwarzweißpassagen, bei deren Beschreibung das Vokabular der Filmanalyse versagt.
Ist es ein zynischer Kommentar auf die sexistische MTV-Kultur? Eine Hommage an John Lennon, dessen Song „Happiness is a warm gun“ Teil des Werkes ist? Oder das Selbstporträt einer jungen Künstlerin voller Experimentierfreude, die ein neues Medium spielerisch durchdringt? In jedem Fall ist das vielschichtige Videotape eine kraftvolle Arbeit, die am Beginn der Karriere von Pipilotti Rist stand und im Rückblick auf die heute rund 25 Jahre ihres künstlerischen Schaffens auch programmatisch gelesen werden kann.

Dr. des. Meike Rotermund, Lehrbeauftragte am Kunstgeschichtlichen Seminar und Kunstsammlung der Universität Göttingen, stellt am Sonntag, 5. September, um 11.30 Uhr das Videokunstwerk „I‘m not the girl who misses much“ von Pipilotti Rist vor: im Hörsaal des Auditorium maximum in Göttingen, Weender Landstraße 2.

Von Meike Rotermund

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Regional

Hier bloggen wir zu den Göttinger Händel-Festspielen 2017 – berichten von Vorbereitungen, besuchen Opernproben und werfen einen Blick hinter die Kulissen. mehr

Fotografie-Ausstellung „In saeculo lux“ in der Galerie Ahlers