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Auf die Chemie folgt die Physik

Atelierbesuch bei Diana Janecke Auf die Chemie folgt die Physik

Zahlreiche ambitionierte Künstler leben und arbeiten in Südniedersachsen. Wir besuchen sie in ihren Ateliers, stellen sie und ihre Arbeit in einer Tageblatt-Serie vor. Heute: Diana Janecke.

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Diana Janecke

Quelle: Vetter/Archiv

Göttingen. Schön warm ist es hier in dem Atelier im Hagenweg und dank einer Tageslichtlampe angenehm hell. Der Blick des Besuchers fällt auf eine Wand, die den Raum trennt. „Meine Malwand“, sagt Diana Janecke strahlend. An der Frontseite hängt ein Bild an dem sie derzeit malt, und das zu einer Serie gehört.  Wenn die 51-Jährige malt, dann gegenständlich und „ganz klassisch“ mit Ölfarben und Pinsel auf Leinwand. „So wie es immer war. Das mag ich bei der Malerei.“ Außerdem fertigt Janecke Installationen für die sie viele unterschiedliche Materialien verwendet und zu denen sie auchgerne Videos mache. Fotografieren und Collagen dienen ihr dazu, Ideen zu entwickeln. „Ich versuche, Menschen in Schichten freizulegen“, erklärt Janecke ihren aktuellen Ansatz. Fotografien von Moulagen und anatomischen Abbildungen sind aufgehängt. Zwei Lichtwände für Röntgenbilder, original aus den 1970-ern, zeigen Abbildungen von Körperschemen und Gegenständen. Mit eigener Technik hergestellt. „Röntgen nach Janecke“, sagt die Künstlerin schmunzelnd. Und auf drei Gemälden in einer Ecke sind menschliche Körper abgebildet. Freigelegtes Gewebe, Zellgebilde, ein Gerippe, das in einem geöffneten Körper umgedreht angeordnet ist. „Früher wurde schon in Menschenkörper hineingeguckt und gemalt“, sagt Janecke. Neben Musik und Lesen sei sie mit Kunst und vielen Ausstellungsbesuchen groß geworden, erzählt die studierte Kommunikationswirtin. Nach mehreren Sommerakademie-Besuchen und Unterricht bei Göttinger Künstlern habe sie Ende der 90er-Jahre dann selbst angefangen, künstlerisch tätig zu werden, erklärt Janecke. Zunächst im Casino auf den Zietenterrassen, bezog sie 2004 ihr Atelier im Hagenweg.  Welche Fragestellungen sind der Künstlerin in ihrer Arbeit wichtig? „Die Frage des Sezierens des Menschseins, weit über den Körper hinaus, das Freilegen und Grenzen brechen und das Vordringen in dieses Dunkle und Verborgene ohne das man eigentlich nicht funktionieren würde“, erläutert sie. Der Transparenz des Körpers und letztlich der Gesellschaft insgesamt gehört ihr Interesse. Und was ist für sie als Künstlerin unerlässlich? „Wichtig ist mir der Austausch mit anderen Künstlern und der Kunst von anderen Menschen, aber auch, dass ich an meinem Thema festhalte und es weiterentwickle.“ Seriell erarbeitet sie dann verschiedene Aspekte. Und wo solls hin? „Es darf zumindest nicht stagnieren“, sagt die Mutter einer 20-jährigen Tochter. „Ich habe noch so viele Sachen im Kopf. Bei den Installationen wäre es schön, wenn ich das technisch umsetzen könnte und was die Malerei betrifft, wenn ich neue Aspekte finden würde.“ Nach dem Vordringen in das Dunkle des Körpers ist jetzt der „Gedankentransfer“ ein neuer Aspekt für ihre Serie zum Thema „Schichten – Verfallen – Erinnern“. Janecke: „Erst die Chemie darunter, jetzt folgt als neue Dimension die Physik darüber.“ Und im Februar/März 2016 zeigt sie mit den Göttinger Künstlern Leena Krüger und Matthias Walliser eine Gruppenausstellung in Hannover. 

Von Karola Hoffmann

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