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Auf und davon ins Münsterland

Maarten van den Broek liest bei Deuerlich Auf und davon ins Münsterland

Als sein Vater stirbt, macht sich der Sohn im orinokogrünen Cabriolet auf den Weg, die Vergangenheit der Familie zu erkunden. Der Weg führt nach Holland, wo einer seiner Vorfahren im Alter von 15 Jahren aufbrach, um der Armut zu entfliehen.

Göttingen. Der Göttinger Autor Maarten van den Broek hat mit „Holland in Not. Von der Ijssel an die Ems“ den Lebensweg eines Arbeiters beschrieben.

Wilhelmus Leushuis kommt 1875 zur Welt. Mit 15 Jahren  ist er ein mutiger junger Mann, weil er sich entscheidet, das Elternhaus heimlich zu verlassen und illegal über die Grenze nach Deutschland zu gehen. Dort will und wird er sein kleines Glück machen in einer Tuchfabrik in Emsdetten.

Schlicht und ohne Aufgeregtheit erzählt der Roman eine Familiengeschichte wie sie damals wie heute denen widerfährt, die ihr Zuhause verlassen, um andernorts Arbeit zu finden. Aber wer denkt dabei an Emsdetten?

Am Ende des 19. Jahrhunderts herrschte im Münsterland Mangel an Arbeitskräften und vor allem Holländer wurden eingestellt. Manche bleiben nur kurze Zeit, andere länger – Wilhelmus bleibt bis zu seinem Tod mit 74 Jahren. Die deutsche Staatsbürgerschaft, zweimal wird sie ihm angeboten, lehnt er ab. Er stirbt als Holländer. Aber seine acht Kinder, stellt er fest, sind in Deutschland daheim, auch wenn sie vielen als Holländer gelten.

Van den Broek schreibt über Migration und Integration, über Ablehnung und Feindseligkeiten im Arbeiteralltag bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts. Dabei flicht er die deutsche Geschichte ein. Ob Holländer oder Münsterländer, die meisten sind gezwungen, durch Kriege zu ziehen und Wirtschaftskrisen zu überstehen, die ihre kargen Einkünfte vernichten. Leushuis geht als glaubensstrenger Katholik durch diese Zeit.

Erlebt Schicksalsschläge und den industriellen Wandel, aber nicht mehr viel vom Wirtschaftswunder. „Holland in Not“ ist ein rührender, historischer Blick auf Migration und aufs Münsterland. Der Roman zeigt auch, dass manch aktuell erscheinendes gesellschaftliches Problem mit anderen Merkmalen kein neues, sondern ein wiederkehrendes ist.

Am Donnerstag, 27. September, liest Maarten van den Broek aus „Holland in Not“ um 20.15 Uhr in der Göttinger Buchhandlung Deuerlich, Weender Straße 33.

Maarten van den Broek: „Holland in Not. Von der Ijssel an die Ems“. Anno-Verlag, 160 Seiten, 14,95 Euro.

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