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Auftaktkonzert des Cheltenham-Festivals in der Musa

Reise durch das Jazzwunderland Auftaktkonzert des Cheltenham-Festivals in der Musa

Drei Tage, drei Orte und dazwischen jede Menge Jazz, Jazz, Jazz. Zum Auftakt gab es in der Musa gleich ein Doppelkonzert. Aus Cheltenham kam die Formation „Ghost Mind“ und die Göttinger wurden durch „Brainville Desperados“ präsentiert.

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Quelle: Hinzmann (Symbolfoto)

Göttingen. Dass Cheltenham und Göttingen neben ihrer Städtepartnerschaft auch musikalisch kooperieren, gehört längst zum guten Ton, und auch die performative Beziehung zwischen den Briten und den Göttingern sorgte für Spannung. Kein Wunder, schließlich ist Instrumentalmusik eine universelle Sprache und die spricht sich in der Improvisation besonders gut.

Wer klassischen Jazz erwartet hatte, wurde zunächst überrascht von den atmosphärischen Klängen, zusammengebastelt aus heiserem Trompetenquietschen, etwas, das wie eine Aufnahme direkt von der Straße klingt, Autos und Fußgänger: eben das Rauschen der Stadt. Dazu wunderbar diffuse Percussionsounds, die klingen wie aus einer anderen Welt. Nur allmählich erwacht die Trompete zu klareren Klängen und vom Band mischt sich eine helle Frauenstimme ein, während die E-Mandoline stetig tropft. Von der urbanen Welt geht es weiter in die Natur in ein Bett aus Vogelgezwitscher und irgendwann auch wieder zurück.

Die Band scheut sich offensichtlich nicht vor experimentellen Sounds.So wird ein Becken zum Streichinstrument genau wie der Inhalt eines Wasserglases ungeahnte Klangqualitäten haben kann, und so etwas Banales wie das Entlüften einer Ziehharmonika ist plötzlich ein ernstzunehmender Teil des Klangensembles. Nur kurz tauchen „Ghost Mind“ in das ein, was man als Free-Jazz erkennen kann.

In der zweiten Runde spielen „Brainville Desperados“, und hier geht es bedeutend klassischer zu. Bedrohlich marschiert der Bass im Kreis, während das Saxophon in schwindelerregende Gebiete vordringt und die Orgel Dissonanzen erzeugt. Abwechselnd klingt das Ganze nach dem Endlevel eines frühen 90er-Jahre-Videospiels, um dann wieder abzutauchen in melancholischen und vor allem hysterischen Jazz. Allen Improvisationen ist jedoch eines gemein: Ungewissheit und Schwebe, eben das, was man vom Free-Jazz erwartet.

Von Serafia Johansson

Das letzte Konzert des Festivals: „Mixed Matches“ – binationale Kleinbesetzungen am Freitag, 31. Juli, um 20 Uhr Galerie „Art Supplement“, Burgstraße 37a in Göttingen.

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