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August Zirner mit „Der kleine Prinz“ im Alten Rathaus Göttingen

Entrückend, wehmütig, traumhaft August Zirner mit „Der kleine Prinz“ im Alten Rathaus Göttingen

Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar: Im Rahmen des Göttinger Kultursommers ist der Schauspieler August Zirner, begleitet von Kontrabassist Kai Struwe, am Sonntag im ausverkauften Alten Rathaus mit einer musikalischen Lesung des Märchens „Der kleine Prinz“ aufgetreten.

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August Zirner mit „Der kleine Prinz“ im Alten Rathaus Göttingen

Quelle: EF

Göttingen. In der Wüste mit seinem Flugzeug gestrandet, begegnet der Pilot einem außergewöhnlichen kleinen Kerlchen.

Der kleine Prinz kommt von einem anderen Planeten und hat viele Fragen. Der Klassiker von Antoine de Saint-Exupéry ist ein Plädoyer für Freundschaft und Menschlichkeit.

Träumerisch und melancholisch, poetisch, humorvoll, unverstellt und ergreifend. Mit warmer Stimme entführt Zirner, der das Märchen auch für ein Hörbuch aufgenommen hat, in die bezaubernde Welt des kleinen Prinzen. Das Buch in der einen Hand haltend, gestikuliert er mit der anderen.

Die Stimme modulierend, mit dem feingliedrig athletischen Körper andeutend, wandelt er sich kokett zur Blume, ist selbstbezogener König und genervter Geschäftsmann, sich schlängelnde Schlange und cleverer Fuchs, setzt gekonnt Pausen, schafft szenisch-theatrale Spannung.

Musikstücke zwischen den Passagen unterstreichen die Worte, greifen die Stimmungen des Textes auf und verstärken sie, ziehen die Zuschauer in das Märchen hinein, bringen das Erzählte schwebend und gefühlvoll zum Klingen, lassen es in den Zuhörern nachwirken. Komponiert hat Zirner die poetische Musik zum Märchen gemeinsam mit Kai Struwe, Mitglied des Spardosen-Terzetts, mit dem Zirner schon seit Jahren zusammenarbeitet, und Bassist in der Band von Helge Schneider.

Der Grimme-Preisträger ist nicht nur einer der renommiertesten deutschsprachigen Theater- und Filmschauspieler. Er ist auch passionierter Jazzmusiker und ein sehr guter Querflötenspieler. Mit Leidenschaft bringt der 59-Jährige sein Instrument zum Sprechen und Swingen. Biegt sich, wiegt sich, windet sich, geht in Dialog mit seinem Bühnenpartner.

Struwe entlockt dem Kontrabass ein großes Repertoire an Klängen und Klangfarben. Streicht mit dem Bogen, zupft, klopft, schlägt. Lässt quecksilbrig einen Springbrunnen plätschern und die Saiten flüstern, die Wüste orientalisch klingen und Abschiede brummelnd zu Herzen gehen. Auf einem Bildschirm in einem schnörkelig-märchenhaften Bilderrahmen blättert Karl-Heinz Käs dazu Original-Illustrationen des Buches auf.

Rund 90 Minuten dauert die Lesung bei sommerlicher Hitze. Eine gefühlvolle Reise in eine märchenhafte Welt, entrückend, wehmütig und traumhaft. Die Zuschauer bedanken sich mit großem Applaus.

Von Karola Hoffmann

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