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"Aus dem Leben eines Taugenichts"

Gemeinsame Sache von DT und JT "Aus dem Leben eines Taugenichts"

Mal düster, mal konfettibunt geht es bei der Vorstellung von Eichendorffs „Aus dem Leben eines Taugenichts“ im Jungen Theater zu. Trotz mancher Überdrehtheit ist die Koproduktion von JT und DT ein gelungenes Stück.

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Quelle: Heise

Göttingen. Am Anfang ist alles schlicht: Auf der schwarzen Bühne im Jungen Theater (JT) steht eine schwarze Leiter, im Hintergrund schwarze Stühle. Schauspieler Karl Miller vom Deutschen Theater (DT) tritt – natürlich – in schwarz auf die Bühne. Als Erzähler führt er den Taugenichts (Frederik Schmid, DT) ein, während der die Beine von der Bühne baumeln lässt. Der Taugenichts als Antiheld, als Gegenentwurf zu Goethes „Wilhelm Meisters Lehrjahre“ – so ordnet der Erzähler das Stück „Aus dem Leben eines Taugenichts“ von Joseph von Eichendorff (1826) ein.

So schlicht bleibt die Koproduktion zwischen JT und DT um den Taugennichts, der, vom Vater rausgeschmissen, auszieht, um die Welt zu bereisen, nicht. Als der Taugenichts in der Inszenierung von Johannes Ender eine schöne Frau (Linda Elsner, JT) trifft, wird es bunt auf der Bühne, wo die Dame Konfetti wirft und im Blumenkleid kokettiert.

Wenn der Haushofmeister die beiden stört, kann man ihm das nicht übel nehmen. So grandios tattrig-stotternd spielt Miller den alten Mann mit barocker Perücke. Musicalartige Szenen – wenn der Taugenichts und seine Angebetete „All You Need Is Love“ singen – wechseln sich mit verstörend langen Ruhemomenten ab. Auf Reiseszenen, bei denen die Bühne mit bunten Fahnen nur so vollgemüllt wird, folgt ekstatisches Tanzen zu dumpfen Elektrobeats. Mit einer Dampfmaschine, die „schwere Mittagswolken“ symbolisiert, bricht Regisseur Ender nicht nur die Naturidylle des Werks, sondern auch die eher konventionelle, etwas überdrehte Aufführung auf.

Wie es sich für einen guten Roman gehört, so räsoniert der Taugenichts, ist am Ende alles gut. Der Taugenichts heiratet die schöne Dame, das Publikum applaudiert. Egal was der Vater sagt, dieser „Taugenichts“, der taugt doch was.
Weitere Vorstellungen von „Aus dem Leben eines Taugenichts“ gibt es am 4. und 19. Mai sowie am 2. Juni, um 20 Uhr im Jungen Theater, Hospitalstraße 6.

Von Hannah Scheiwe

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