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Von Geflechten und Illusionen

"Perfect Lives" im Alten Rathaus Von Geflechten und Illusionen

Fabian Hesse ist bereits einige Tage vor der Eröffnung der Ausstellung „Perfect Lives“ am Sonntag, 14. August, im Alten Rathaus Göttingen angereist. Zusammen mit der künstlerischen Leiterin des Kunstvereins, Anja Lückenkemper, wählt der Münchner die Standorte für seine Skulpturen aus, die im 3D-Druckverfahren entstehen.

Markt 9, Göttingen 51.53302 9.934843
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Auch Forster und Poisel in der Lokhalle

Fabian Hesse mit einem seiner Liniengeflechte aus dem 3D-Drucker.

Quelle: Peter Heller

Göttingen. Einige hat er speziell für „Perfect Lives“ kreiert, sie befinden sich teilweise noch in der Herstellung. „Die Drucker werden noch bis zur Ausstellungseröffnung laufen“, erzählt Hesse.

Dabei greift er nicht nur digital, sondern auch physisch in den Druckprozess ein. Eine veränderte Druckgeschwindigkeit oder Temperatur des Materials beeinflussen das Ergebnis. Der Druckvorgang kann von circa 40 Stunden für die kleineren Objekte bis zu mehreren Tagen dauern. Hesse hat an den Kunstakademien in Wien und München studiert. In dieser Zeit fing er an, in sogenannten Fab-Labs, öffentlich zugänglichen Werkstätten, mit dem 3D-Drucker und -Scanner zu experimentieren.

Info

Die Ausstellung wird am Sonntag, 14. August, um 11.30 Uhr eröffnet. Zu sehen ist sie bis Sonntag, 9. Oktober, dienstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr im Alten Rathaus, Markt 9.

Seine „Data-Clasms“ wirken wie verflochtene Haufen aus Kunststofffäden, in die Buchstaben und Zahlen eingewoben sind. Manche Objekte zeigen Wörter, manche unleserliche Andeutungen von Schrift. Der Künstler verwendet Datensätze aus dem Internet, die er durch den 3D-Druck in eine materielle Form umwandelt. Ein Objekt zeigt die zehn Twitter-Passwörter, die in den USA am häufigsten verwendet werden. „Sie wurden 2013 im Internet veröffentlich“, erklärt Hesse. 3D-Scans von Objekten oder Personen werden ebenso manipuliert und von ihrer ursprünglichen Gestalt entfremdet. So entstehen die filigranen Plastiken, die teilweise aus mehreren unterschiedlich farbigen Druckelementen zusammengesetzt sind. Zwei menschliche Körper greifen ineinander und werden eins, der eine steht fest auf den Füßen, der andere ist in die Luft erhoben. Diese Transformation der Wirklichkeit ist im Werk von Hesse allgegenwärtig, und nicht zuletzt aus diesem Grund auch ein Aspekt, den die Ausstellung beleuchten soll.

Ein anderer Gesichtspunkt ist die Gesellschaft zwischen Wirklichkeit und Scheinwelt. Auf Flachbildschirmen und großen Leinwänden werden die filmischen Arbeiten von Robert Ashley, Loretta Fahrenholz und Sasha Litvintseva gezeigt. Letztere hat als Set für ihren Kurzfilm „Exile Exotic“ ein Hotel gewählt, dass dem Moskauer Kreml nachempfunden ist. Diese Illusion, vom Pool aus gefilmt, ist nicht die Einzige, die in „Perfect Lives“ zerstört wird.

Von Jana Probst

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