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Torhaus-Galerie am Stadtfriedhof in Göttingen

Ausstellung Torhaus-Galerie am Stadtfriedhof in Göttingen

Die Doppelausstellung „Unter der Oberfläche“ ist jetzt in der Torhaus-Galerie in Göttingen eröffnet worden. Der Andrang der Gästen zur Vernissage waren beachtlich. Bis zum Sonntag, 4. Dezember, werden Arbeiten von Christoph Beer (Malerei) und Angela Götz (Skulpturen) gezeigt.

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Wenige Gemeinsamkeiten: der Maler Christoph Beer und die Bildhauerin Angela Götz.         

Quelle: Wenzel

Göttingen. „Bitte nicht berühren.“ Nur gut, dass Wolfgang Gieße, Leiter des Fachdienst Friedhöfe, den vielen Ausstellungsgästen den Hinweis bei der Begrüßung mit auf den Weg gab. Denn die Skulpturen der Steinbildhauerin Götz üben eine ganz eigene Magie aus. Der haptische Reiz der Oberflächen ist groß, und viele Hände hielten gerade noch kurz davor inne.

Die Formen sind rund, fließend, organisch, harmonisch. Die Oberflächen wirken weich, fast samtig. Zumeist sind die Skulpturen menschlichen Körpern nachempfunden. Mitunter von Götz so raffiniert gestaltet, dass man erst beim genauen Betrachten aus verschiedenen Blickwinkeln rundherum Silhouetten und Linien erfasst in der Spannung zwischen figürlicher Darstellung und abstrahierter Formgebung. Götz arbeitet mit Thüster Kalkstein, ein Millionen Jahre altes Sedimentgestein, das sich in Rohform als rau und abweisend zeigt.

„Schon bei der Auswahl des Steins im Steinbruch beginnt der Arbeitsprozess“, erläutert Dietrich Meyerhöfer vom Kunsthistorischen Seminar der Göttinger Universität. Götz erkenne „in und an einem Stein schon die Figur, die in einem Stein steckt.“ Im Atelier in Friedland müsse die unter der Oberfläche schlafende Figur nur noch aus der rauen, harten Schale herausgearbeitet oder geschlagen und gefeilt, „nur geweckt werden“.

Zur Person

Christoph Beer, 1972 in Wien geboren, wuchs in Göttingen auf. 1997 Studium der Bildenden Kunst an der Universität der Künste in Berlin, 2005 mit dem Meisterschülerstudium abgeschlossen. Beer lebt als freischaffender Künstler in Berlin mit einem Wohnsitz auf dem Leineberg in Göttingen.

Angela Götz arbeitet seit 2006 als freischaffende Steinbildhauerin. Ihre Werkstatt ist in Friedland. Ihre künstlerische Ausbildung hat sie in Zusammenarbeit mit Künstlern in Madrid sowie unter anderem in Workshops und Intensivseminaren zum Thema Steinbildhauerei in Theorie und Praxis erworben.

Bei Beer, der Götz aus der gemeinsamen Zeit am Zeichenlektorat der Uni Göttingen kennt, beginnt die künstlerische Arbeit mit einem leeren Blatt oder einer leeren Leinwand. Die meisten der gezeigten Werke lassen an schemenhafte Wandmalerei denken, wie sie bei archäologischen Grabungen freigelegt wird.

Motive oder Formen entstehen, wenn Beer Schicht um Schicht beispielsweise sehr flüssige Acrylfarbe aufträgt in einer Arbeitsweise, die ans Aquarellieren erinnert, und dann wieder abkratzt und abschabt, um die Vorgänge zu wiederholen. Durch diese mehrschichtigen Prozesse, deren Herstellen sich mitunter über Jahre hinzieht, „erscheinen verborgene Strukturen und Formen“, erklärt Meyerhöfer. Beers Bilder zeichneten sich durch „Vielschichtigkeit und Transparenz“aus.

Beers Figuren und Motive schaffen eine inspirierende wie gleichermaßen irritierende Mehrdeutigkeit. Meyerhöfer: „Obgleich sie klar umrissen sind, scheinen sie flüchtig, tauchen wie Schemen aus der Umgebung auf und verschwinden wieder.“

Die Ausstellung in der Torhaus-Galerie am Stadtfriedhof in Göttingen, Kasseler Landstraße 1, ist freitags bis sonntags von 15 bis 17 Uhr geöffnet. Ein Gespräch mit Christoph Beer und Angela Götz gibt es am Sonntag, 6. November, von 15 bis 17 Uhr.

Von Karola Hoffmann

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