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Künstler aus Syrien

Ausstellung im Gewölbekeller des Künstlerhauses Künstler aus Syrien

Sie haben dasselbe Sujet gewählt – die Tierdarstellung. Ihre Arbeitsweisen sind jedoch ganz unterschiedlich. Die Ausstellung „Flut“ mit Arbeiten des syrischen Künstlerehepaares Nagham Hamoush und Ammar Hatem ist noch bis 20. November im Gewölbekeller des Künstlerhauses in Göttingen zu sehen.

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Materialmix: Steine hat Ammar Hatem in die Bildoberfläche eingearbeitet.     

Quelle: HW

Göttingen. Er ist Lilablau und eine beeindruckende Erscheinung. Seine Lippen sind wulstig. Sein direkter Blick scheint traurig und müde, fast väterlich-verständnisvoll. Man könnte meinen, der Fisch wird gleich abdrehen und dann von der anderen Seite auf den Betrachter zuschwimmen. Auch die Fledermaus, ein Käfer und die anderen Tiere sind so lebendig, charaktervoll und individuell gemalt, wie man es sonst von großformatigen Porträts von Menschen kennt.

Im Dialog zu den mit Acrylfarben gemalten Bildern von Ammar Hatem stehen die Arbeiten seiner Ehefrau Nagham Hamoush, die sich künstlerisch mit den Motiven und Symbolen des Orients beschäftigt. Bei Hamoushs kleinformatigen Drucken in Linol- und Holzschnitttechnik, Lithografien, Siebdrucken und Kupferplatten spielen Ornamente eine wichtige Rolle. Die dargestellten Tiere, Pferde, Elefanten, Kamele und anderes Getier sind eingebettet in Ornamente oder bestehen gänzlich daraus.

Beide Künstler haben an der Universität Damaskus „Schöne Künste“ studiert: Hamoush mit dem Schwerpunkt Grafik und Druck, Hatem mit dem Schwerpunkt Malerei. Es bestehe eine heilige Beziehung zwischen Mensch und Natur, erklärt Hatem im Künstlergespräch mit Anne Moldenhauer, Geschäftsführerin des Göttinger Kommunikations- und Aktionszentrum KAZ. So nutzt er die Natur als Ausgangspunkt für die künstlerische Gestaltung.

Für seine Bilder, die alle in Göttingen entstanden sind, hat Hatem, der im Sommer 2015 als Flüchtling in Friedland ankam, eine spezielle Technik entwickelt. Um die Natur selbst einzubinden, verwendet er neben Acrylfarben auch Sediment, Sand und Steine. Mit seiner Kunst möchte er sich gegen das andauernde Artensterben und „die Reduzierung der Menschlichkeit“ einsetzen. „Vielleicht haben die Tiere etwas zu sagen“, erläutert Hatem, Deutsch sprechend, seine Umsetzung in Tierporträts. „Wenn wir Tiere verlieren, verlieren wir auch ihre Technologien, Ideen und Farben.“

Hamoush, die sich bereits in ihrer Abschlussarbeit zum Bachelor of Fine Arts mit dem Thema „Tiere“ beschäftigt hat, arbeitet mit den Motiven des Orients und möchte „das reiche Erbe des Ostens“ in ihren Werken präsentieren. Grundlage ihrer künstlerischen Auseinandersetzung ist der Formenreichtum der syrischen Kultur und deren Mythologie, die viele Tiere enthalte. Die Linolschnitte seien in Göttingen entstanden, die anderen Arbeiten habe sie mitgebracht, erklärt die Künstlerin, die vor neun Monaten mit einem Visum nach Deutschland kam. Hatem leitet einen Kunst-Workshop im KAZ, Hamoush ist als Kunstlehrerin tätig.

Die Ausstellung wird bis Sonntag, 20. November, dienstags bis freitags von 16 bis 18 Uhr, an den Wochenenden von 11 bis 16 Uhr im Künstlerhaus Göttingen, Gotmarstraße 1 gezeigt. Die Schau findet in Kooperation mit der Göttinger Flüchtlingsinitiative „find friends – find work“ statt.

Von Karola Hoffmann

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