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Ausstellung mit Bildern von Rudolf Mauke in der Göttinger Galerie Ahlers

Fast vergessen Ausstellung mit Bildern von Rudolf Mauke in der Göttinger Galerie Ahlers

Manchmal packt es einen. Eine spontane Idee, ein ergreifender Impuls, und man kann nicht anders. „Ich hab’s gesehen und sofort gesagt‚ das machen wir!“, beschreibt Oliver Ahlers einen solchen Moment, der den Auslöser für die neue Ausstellung in der Galerie Ahlers in Göttingen gab.

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Begeistert: Galerist Oliver Ahlers beim Gang durch die Ausstellung mit Werken von Rudolf Mauke.

Quelle: Heller

Göttingen. Der Künstler, der schon auf den ersten Blick begeistern kann, heißt Rudolf Mauke (1924-1998). Er studierte an der Berliner Hochschule für Bildende Künste und war dort Schüler des großen Expressionisten Karl Schmidt-Rottluff.
Schon als junger Künstler wurde Mauke in den 50er Jahren bekannt, und seine meist gegenstandslosen Bilder wurden auf einigen Ausstellungen gezeigt. Heute sind seine Werke fast vergessen. Auch weil die Kunsthistoriker die unmittelbare Nachkriegszeit lange zu wenig beachtet haben, erzählt Carina Plath vom Sprengel-Museum Hannover in ihrem Vortrag zur Ausstellungseröffnung. Dabei gibt es gerade in Maukes Werken viel zu entdecken.

So zeigt die Galerie eine Serie aus dem Jahr 1955, bei der die Komposition einem übergeordnetem Regelsystem zu unterliegen scheint: Horizontale Graphitlinien trennen sandfarbene, sich nur in Nuancen unterscheidende Farbflächen voneinander ab. Lebendig wird das Bild aber durch die Durchbrechung: minimale Abweichungen in der Parallelität, geometrische Ausbuchtungen in den Linien, Farben, die sich nicht in das Großkolorit einzufügen scheinen.

Maukes Bilder zeigen Systeme. Auf den ersten Blick wird dabei sichtbar, dass Gleichgewicht und Balance in seinen Werken immer die übergeordnete Rolle spielen. Erst wenn man näher herantritt, die Bilder aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet und die Kompositionen in seinen Einzelteilen untersucht, wird klar, worin der Reiz der Werke tatsächlich besteht. Nämlich darin, sich in Details gerade nicht an Regeln zu halten. So trennt Mauke mal Farbflächen scharf an den Konturlinien, mal übermalt er jene rigoros. Mal füllt er Flächen mit Farbe akkurat aus, mal reicht ein einzelner schnell gesetzter Pinselstrich.

Immer lassen die Bilder dabei Schlüsse auf den Malprozess zu. Indem Mauke übermalt oder Strukturen in die noch feuchte Farbe hinein ritzt, wird ein zeitlicher Ablauf sichtbar. Dem Betrachter stellen sich damit Fragen. Welches System verfolgt der Künstler mit dem Bild? Welche übergeordneten Regeln wurden gesetzt und wo übertritt Mauke diese? Aber auch: Was war zuerst da? Und sind die Dinge eigentlich so, wie sie scheinen? Ja, sind sie. Ein flüchtiger Blick genügt, um Maukes Bilder zu erfassen. Um sie aber vollends zu verstehen, muss man schon genauer hinsehen.

Die Ausstellung in der Galerie Ahlers, Düstere Straße 21, ist bis Sonnabend, 16. Mai, zu sehen. Die Galerie hat dienstags bis freitags von 10 bis 13 Uhr und von 15 bis 18 Uhr sowie sonnabends von 10 bis 13 Uhr geöffnet. Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen.

Von Daniela Lottmann

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