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Ausstellung mit Grafiken von Johannes Eidt

MPI am Fassberg in Göttingen Ausstellung mit Grafiken von Johannes Eidt

In seiner Ausstellungsserie „Kunst am Fassberg“ präsentiert das Max-Planck-Institut (MPI) für biophysikalische Chemie Grafiken des Osnabrücker Künstlers Johannes Eidt. Die Ausstellung „Fortschreitend“ ist bis zum 22. November im Institutsfoyer zu sehen.

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Besucher betrachten eines der Exponate in der Ausstellung.

Quelle: Peter Heller

Göttingen. In seiner Ausstellungsserie „Kunst am Fassberg“ präsentiert das Max-Planck-Institut (MPI) für biophysikalische Chemie Grafiken des Osnabrücker Künstlers Johannes Eidt. Die Ausstellung „Fortschreitend“ ist bis zum 22. November im Institutsfoyer zu sehen.

Turbinen und Skalen drehen sich. Aber der Fortschritt scheint sich auch in einer ganz eigenen Fortbewegung von dreieckigen Wesen mit dicken Stiefeln in die Gegenrichtung zu zeigen und wohl auch augenzwinkernd im Wortsinn zu verstehen sein. Der Titel des Bildes „Fortschreitend“ ist titelgebend für die Ausstellung.

Auf dem Bild „Hochbeladene Begegnung“ gleiten zwei Containerschiffe aneinander vorbei. Eines mit klar geordneter Fracht, ein anderes mit chaotischer Ladung. Der Gegensatz lässt aufmerken, führt aber nicht zur Kollision. Und hintersinnig ist auch das Bild mit dem Titel „Sieben Bratäpfel“ auf dem nur sechs Bratäpfel zu sehen sind. Ein Insekt brummt durch die Szenerie. Fliegt da gerade die Frucht aufgesogen und mit Flügeln inkarniert davon?

Typisch für die Bildkomposition der pastellfarbigen, in Siebdrucktechnik gearbeiteten Grafiken ist die Staffelung der Bildelemente, der geschichtete Aufbau der Formen und Flächen, der auch an Collagentechnik erinnert. Dazu kommt, dass Eidt beim Studium japanischer Kunst deren traditionelle Parallelperspektive entdeckte, die ihn zu einer Raumauffassung inspiriert hat, die zu seinem Markenzeichen wurde.

In die „vielseitige und vielgestaltige künstlerische Welt“ von Johannes Eidt führte die Kulturjournalistin Tina Fibiger bei der Ausstellungseröffnung ein. In seine Motive in den Bildräumen lasse sich „so viel deuten und bedeuten“, vor allem seien sie nicht eindeutig und praktisch anschaulich. Außer dick gepolsterten Stiefeln, die Eidt vielfach als Gestaltungselement und als „Symbol für Unabhängigkeit“ einsetzt, finden sich auch immer wieder geflügelte Objekte, Vögel, Insekten, Drachen in den Bildkompositionen. Eidt verstehe sie auch als dynamisches Element, aber eben nicht nur, wenn sie irritieren und dann ihre assoziative Wirkung entfalten. Mitunter frage sich der Betrachter, „was ihm hier fehl am Platz erscheint ohne es zu sein“.

„Spielerisches Vergnügen des Künstlers ist es, Farben und Funktionalitäten zu unterwandern und an scheinbar vertraute Schauplätze zu verpflanzen, die ebenfalls ein Eigenleben entwickeln“, so Fibiger. Außer der Deutungsvielfalt in den hintersinnigen Werken, die auf ein vielstimmig erzähltes Terrain lockt, sei es das Handwerk, das Eidt beflügele. In absoluter Konzentration auf den Vorgang des Zentrierens auf jedes farbige Detail und jede Form erfahre jedes Blatt in vielen einzelnen Schichten und Schichtungen seine Gestalt. Vor dem Hintergrund eines klar kalkulierten Bildkonzepts gibt Eidt beim Entstehen einer Grafik aber auch spontanen Einfällen immer wieder Raum.

Johannes Eidt ist als freischaffender Künstler in Osnabrück und Tokio tätig. Er studierte Malerei an der Staatlichen Akademie der bildenden Künste in Stuttgart und Druckgrafik an der Tokyo University of the Arts. Er hatte Lehraufträge an der Universität Hildesheim, der Tokyo University of the Arts und am internationalen Grafikmuseum Machida in Tokio. In der Altstadt von Osnabrück betreibt Eidt ein Atelier, in dem er mehrfarbige Siebdrucke in kleiner Auflage entwirft und druckt. Er erhielt mehrere Auszeichnungen, darunter das Bundesverdienstkreuz für sein Engagement als Vermittler zwischen den Kulturen Japans und Deutschlands.

Die Ausstellung „Fortschreitend“ ist bis 22. November im Foyer des MPI für biophysikalische Chemie in Göttingen-Nikolausberg, Am Faßberg 11, montags bis freitags von 9 bis 17 Uhr, sonnabends und sonntags von 10 bis 16 Uhr zu sehen.

Von Karola Hoffmann

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