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Ausstellung mit Werken türkischer Karikaturisten

Caricatura Kassel Ausstellung mit Werken türkischer Karikaturisten

„Schluss mit lustig“ heißt eine Ausstellung mit Karikaturen aus der Türkei. Sie ist am Mittwochabend in einer Dependence der Caricatura-Galerie eröffnet worden. Es gebe eben „noch Menschen in der Türkei, die sich nicht einschüchtern lassen“, sagte die Kasseler Stadträtin Renate Fricke (FDP) zur Eröffnung.

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Live zeichnen und kolorieren: die Satirikerin Ramize Erer während der Eröffnung der Ausstellung.

Quelle: Krüger-Lenz

Kassel. „Das ist ein provisorischer Ort, an dem wir uns hier befinden“, erklärte Galerie-Geschäftsführer Martin Sonntag. Fast in Sichtweite des Stammhauses im Kulturbahnhof startete er die Ausstellung in einem Ladengeschäft, Werner-Hilpert-Straße 1. Er berichtete von den Vorbereitungen, von einem ersten Kontakt mit der Filmemacherin Sabine Küper-Büsch und ihrem Ehemann Thomas Büsch im Jahr 2008, die zur Buchmesse in Frankfurt die Satire-Ausstellung „Die Nase des Sultans“ organisert hatten.

Die Idee zu der Kabinett-Schau zur aktuellen Hauptausstellungen Caricatura 7 sei im vergangenen Jahr entstanden. Kurzerhand habe man die Türkei zum Gastland der Caricatura erklärt. Sonntag: „Wenn die Documenta Griechenland nimmt, nehmen wir die Türkei - ist doch klar.“

Hitler, Napoleon und Mussolini

Dicht gedrängt standen die Eröffnungsbesucher in den kleinen Räumen, später dann entspannter auch in dem kühlen Keller. Kuratorin Küper-Büsch hat Blätter von Zeichnern der drei wichtigsten Satirezeitschriften in der Türkei mit einer laut Fricke Gesamtauflage von mehr als 100 000 Exemplaren zusammengetragen. Die Texte in den Bildern wie auch erklärende Texte sind auf Türkisch und auf Deutsch zu lesen. Die Filmemacherin lebt seit mehr als 25 Jahren in Istanbul und kennt sich in der Zeichner-Szene bestens aus.

Seit zwei Jahren beschäftige sie sich verstärkt mit Satire, sagte Küpper-Büsch. Das sei „sehr anstrengend und manchmal nicht mehr lustig“, erklärte sie mit Blick auf Schwierigkeiten mit der Staatsmacht, die daraus erwachsen. Vor allem Arbeiten aus dem Jahr 2016 nach der Niederschlagung des Putschversuchs hat Küpper-Büsch zusammengetragen. Sie berichtete, dass unter den etwa 160 Journalisten, die derzeit in der Türkei in Haft seien, sich auch eine Zeichner befinde, der den Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan als erster als Tier gezeichnet hatte, als Katze die sich in einem Wollknäuel verheddert, während der damalige US-Präsident mit ihr spielt. Den Vergleich mit einem Tier empfinde Erdoğan „als Herabsetzung der Menschenwürde“. Als Hitler, Napoleon oder Mussolini könne er hingegen dargestellt werden, „kein Problem“, so Küpper-Büsch.

Öffnungszeiten

Die Ausstellung in der Dependence der Caricatura-Galerie für komische Kunst,Werner-Hilpert-Straße1 in Kassel, läuft noch bis zum 27. August. Sie ist täglich von 12 bis 19 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet vier, ermäßigt drei Euro.

Nachdem sich die Satiriker über Monate mit den Protesten in der Türkei beschäftigt hätten, würden sie sich jetzt wieder anderen Inhalten wie Frauenthemen und Geschlechterrollen zuwenden. „Jetzt fangen sie an, neue Utopien zu entwickeln. Sie zeigen Mut, Kreativität -  Esprit, der unterstreicht, dass die Türkei nicht nur Erdoğan ist“, sagte die Filmemacherin.

Vier Zeichner sind eigens für die Ausstellung angereist. Für sie hatte Galerie-Chef Sonntag Leinwände vorbereitet, auf denen Ramize Erer, Selcuk Erdem, Serkan Altunigne und Tan Cemal Genç während der Vernissage zeichneten und kolorierten. Viele der Eröffnungsbesucher hatten den Katalog zur Ausstellung gekauft und ließen sich das Buch signieren.

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