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Auf den Spuren Kaspar Hausers

Ausstellung / Zeichnungen eines Findlings Auf den Spuren Kaspar Hausers

Die mysteriöse Geschichte um Kaspar Hauser sorgt immer wieder für Aufsehen. Nun wird den Zeichenkünsten des berühmten Findelkinds im mittelfränkischen Ansbach eine Sonderausstellung gewidmet. Eine Reise in die Biedermeier-Zeit.

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Teil der Ausstellung im Markgrafen-Museum: Kleidung von Kaspar Hauser aus dem Jahre 1833.

Quelle: dpa

Ansbach. Eine romantische Ader muss Hauser gehabt haben: Zu selbst gedichteten Versen malte er kunstvoll Rosen. Außerdem zeichnete Hauser kleine Bildchen mit geheimer Codesprache, die dann an die Damenwelt weitergegeben wurden. Die aufwendig gemalten Äste eines Baums konnten so zum Beispiel für Uhrzeiger stehen. Die Botschaft eines objektiv simplen Pflaumenbaums lautete also: Treffen um 15 Uhr unter dem Pflaumenbaum.

Zu sehen sind die Hauser-Werke nun in einer Sonderausstellung im Ansbacher Markgrafenmuseum, die die Stadt ihrem berühmten Findelkind gewidmet hat. Die 20 teils neu entdeckten Zeichnungen zeigen, wie Hauser mit Schablonen umgehen konnte und so mühevoll teils kunstvolle Aquarelle – meist von Früchte- und Blumenstillleben – anfertigte. „Eigentlich typischer Biedermeier-Kitsch, überall Dekor und Blüten“, kommentiert Museumsleiter und Ausstellungskurator Wolfgang Reddig.

Tatsächlich sind die Zeichnungen Exemplare der zu Hausers Lebzeiten (1812-1833) typischen Biedermeier-Kunst. Die Bilder dienten überwiegend zum Verschenken, um zu gefallen und als Erinnerung, ähnlich kleinen Poesiealbumeinträgen. „Man hat versucht, in Erinnerung zu bleiben“, sagt Reddig. Die Bilder hätten sich dann in den beschenkten Familien über die Generationen erhalten.

Rund zehn der Hauser-Werke sind Leihgaben. Bei seinen Recherchen hat Reddig festgestellt: „Auf dem Markt werden die Zeichnungen nicht gehandelt.“ Auch wie viel Bilder Hauser insgesamt gezeichnet hätte, weiß man nicht. Der Wert der Hauser-Werke könne deshalb nur schwer beziffert werden.

Die Werke seien „diszipliniert“ gezeichnet, also wenig spontan und impulsiv. Damit stehen sie im direkten Gegensatz zu den modernen, intimen Zeichnungen des Kieler Künstlers Tobias Regensburger, mit denen sie in der Ausstellung konfrontiert werden. Vor dem Hintergrund der Person Hausers sind seine Werke aber umso beachtlicher.

„Ist das eine gequälte Natur, die sich in der Kunst Raum gebrochen hat?“, fragt sich Hauser-Experte Reddig. Jedenfalls sei die Schablonentechnik, die damals vor allem in Amerika und England verbreitet war, bemerkenswert für einen Findling. Schattierungen erzielte Hauser etwa durch das kunstvolle, mehrfache übereinander Zeichnen der gleichen Schablone. „Das ähnelt der heutigen Airbrush-Technik“, kommentiert Reddig. Im Rahmenprogramm zur Ausstellung kann die damalige Technik selbst ausprobiert werden.

Bis Sonntag, 4. September, können die Werke dienstags bis sonntags von 10 Uhr bis 17 Uhr im Markgrafenmuseum, Kaspar-Hauser-Platz 1 in Ansbach, besichtigt werden.

Als 16-Jähriger war Kaspar Hauser im Jahr 1828 in Nürnberg, ungelenk wankend und verwirrt wirkend, aufgegriffen worden, angeblich aufgewachsen in einem Verlies bei Wasser und Brot und ohne echte Kontakte zur Außenwelt. So soll er auf dem Stand eines zwei- bis dreijährigen Kindes geblieben sein. Das Rätsel um seine Herkunft ist bis heute ungelöst. Hauser öffnete es zu Lebzeiten rasch die Türen zu bürgerlichen Kreisen. Im Dezember 1831 zog er nach Ansbach, wo er die Stelle eines Gerichtsschreibers annahm. Schon zwei Jahre später starb er wenige Tage nach einer angeblichen Messerattacke im Ansbacher Hofgarten. Erst ein Erbgut-Vergleich im Jahr 1996 sorgte für eine Entzauberung der Theorie, Hauser sei ein verstoßener badischer Erbprinz gewesen. Dadurch fühlten sich all jene bestärkt, die in Hauser schon immer einen Schwindler und Hochstapler sahen.

Von Teresa Tropf

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