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500 Jahre Orgelkultur in Nordseemarschen

Stefan Kordes eröffnet Ausstellung in der St.-Jacobikirche 500 Jahre Orgelkultur in Nordseemarschen

Selbst kleinste Dörfer der Nordseemarschen beherbergen in ihren Kirchen bedeutende Orgeln. „In dieser Dichte ist das weltweit einzigartig“, sagte Kantor Stefan Kordes am Freitag bei der Ausstellungseröffnung in der Göttinger St.-Jacobikirche. Die dortige Orgel feiert 2016 ihr 50-jähriges Bestehen.

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Ausstellung zu 500 Jahren Orgelkultur in den Nordseemarschen in der Göttinger St.-Jacobikirche.

Quelle: Wenzel

Göttingen. „Viele der wunderbaren Instrumente habe ich während meiner Hamburger Studentenzeit selbst gespielt“, berichtet Kordes bei einer Führung. Von der Ausstellung erfuhr er während eines Konzertaufenthalts im ostfriesischen Norden. Sie zeigt viele Fotos sowie Reproduktionen historischer Dokumente. Zu sehen sind auch Kurzfilme, die Instrumente sind über Kopfhörer zu hören. Gespielt werden Komponisten der Region. „Der Bekannteste ist sicher Nicolaus Bruhns aus Husum“, sagt Kordes.

Die Ausstellung verrät den Grund für die zahlreichen Orgeln in den Dörfern der Nordsee-Marschen. Die Menschen dort waren früher für den Küstenschutz verantwortlich. Im Gegenzug genossen sie Rechte, die andere Untertanen nicht hatten. So konnten die Bauern und Kaufleute ihre Kirchen selbst ausstatten. Sonst investierten die Landesherren Steuereinnahmen vor allem in die Städte.

Der Orgelbau kam um 1450 in der Region auf. In Rysum steht das älteste erhaltene Instrument. Es stammt aus dem Jahr 1457. Die Marschen brachten bedeutende Orgelbaumeister hervor. Der Größte unter ihnen war Arp Schnitger, der 1648 in der Wesermarsch zur Welt kam. Seine Instrumente finden sich im Raum zwischen Hamburg und den Niederlanden.

Die Materialen mussten über hunderte von Kilometern herangeschafft werden. Holz von gerade gewachsenen Stämmen kam aus Hamburg, Blei aus Bremen und Zinn aus dem englischen Cornwall. Nur das Leder für die Bälge stammte aus der Region.

Göttingen ist der bisher südlichste Punkt, an dem es die Ausstellung zu sehen gibt. Kordes hofft, dass viele Schulklassen die Ausstellung besuchen. Er möchte junge Menschen dafür begeistern, das Instrument zu erlernen. „Schöne Orgel, wenn auch nicht so alte, gibt es auch in Stadt und Landkreis“, betont er. Über das mit 68 Registern und 4806 Pfeifen imposanteste Instrument verfügt die St.Jabobikirche. Vergleichbare Instrumente haben nicht einmal Hannover oder Hildesheim. Die Gemeinde erwarb vor anderthalb Jahren in Süddeutschland noch eine 1844 von Vincenzo Ragone gebaute Orgel. Auf ihr wird insbesondere Renaissance-Musik gespielt.

Die Ausstellung ist bis zum 30. April täglich von 11 bis 15 Uhr geöffnet. Terminvereinbarungen für Führungen (80 Euro) unter assistent@jacobikantorei.de. Schulklassen zahlen nichts.

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