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Autor Alaa al-Aswani zu Gast im Literarischen Zentrum Göttingen

Zwischen Zahnarztpraxis und Lesereise Autor Alaa al-Aswani zu Gast im Literarischen Zentrum Göttingen

Mit Alaa al-Aswanis „Der Automobilclub von Kairo“ hat es am Dienstagabend seit mehr drei Jahren erstmals wieder eine arabische Lesung im Literarischen Zentrum gegeben. Die Veranstaltung entpuppte sich nicht nur als bloße Vorstellung seines aktuellen Romans, sondern bot dem Autor und dem Publikum vielmehr eine Plattform, sich über die politischen Konflikte in Ägypten auszutauschen.

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Vielbeschäftigt und charismatisch: der Schriftsteller Alaa al-Aswani.

Quelle: Hinzmann

Göttingen. Leila Chammaa von der Agentur Alif aus Berlin, die sich der Verbreitung arabischer Literatur in Deutschland verschrieben hat, führte das Publikum durch den Abend. Gut vorbereitet und hoch konzentriert, stellte sie al-Aswani zahlreiche Fragen zu seinem Leben, Hintergründen für sein Handeln, gab Einsichten in seinen jüngsten Roman und übersetzte die Antworten des Autors ins Deutsche.

Der Autor selbst trat als faszinierender Mensch auf, der das Publikum immer wieder erstaunt zum Lachen brachte. Er sei nicht einfach nur einer der bekanntesten Schriftsteller Ägyptens, sondern praktiziere auch noch in seiner Zahnarztpraxis und habe sich aktiv an der Revolution 2011 beteiligt, erklärte Chammaa.

Die sozialen und politischen Konflikte in seiner Heimat stehen stets im Mittelpunkt der Romane al-Aswanis. So auch in seinem neuen Werk. „Der Automobilclub von Kairo“ erzählt von den sozialen Konflikten innerhalb der Gesellschaft, die sich aus dem Spannungsfeld zwischen Monarchie und Fremdherrschaft in den 1940er-Jahren ergaben. Gewalt, Vorurteile und Rebellion prägen die Geschichte. Chammaa meinte, dass der Roman überaus spannend geschrieben sei und übertrieb damit nicht.

Den ersten Abschnitt las der Autor selbst in arabischer Sprache. Dann übernahm Schauspieler Gerd Zinck vom Deutschen Theater Göttingen das Wort. Seine Stimme war ruhig, doch die Worte flossen schnell aus ihm heraus. Es gelang Zinck mit nur wenigen Mitteln, die Zerrissenheit der Figuren hervorragend zu zeigen. Deren hitzige Diskussionen darüber, ob Schläge der Herren an ihren Dienern wie bisher zu dulden seien oder man sich auflehnen solle, bauten enorme Spannung auf.

Dem Publikum wie auch dem Autor selbst fiel es sichtlich schwer, die überaus angeregte Gesprächsrunde im Anschluss an die Lesung zu beenden. Der Abend hatte gezeigt, dass al-Aswani trotz vieler Schwierigkeiten, die auch heute noch in Ägypten bestehen, seinen Optimismus nicht aufgegeben hat. Solange es noch Menschlichkeit gebe, und Leute, die einander auf diese Weise begegneten, werde er weiterhin seinen Glauben an eine bessere Zukunft behalten, sagte der Autor.

Von Tina Evers

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