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Autor Bastian Sick zu Gast in der Göttinger Stadthalle

Tomaten aus Belgiesien Autor Bastian Sick zu Gast in der Göttinger Stadthalle

Bastian Sick, auch bekannt als Deutschlehrer der Nation und gefürchtet als Vater aller Besserwisser, ist zur Zeit auf Tournee mit seinem Bühnenprogramm „Füllen Sie sich wie zu Hause“.

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Vater aller Besserwisser: Bastian Sick.

Quelle: Heller

Göttingen. Der Rechtschreibfehler ist natürlich gewollt, denn Sick hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben, wie er sagt, die Köpfe des Publikums zu füllen – mit unterhaltsamen Deutschlektionen und haarsträubenden Sprachverirrungen, auf dass die Besucher der Stadthalle Göttingen die präsentierten Fehler vermeiden.

Wohl weil Oberlehrer wenig beliebt sind, soll das alles in einer entspannten und heimeligen Atmosphäre stattfinden. Um dieses Ziel zu Unterstreichen, hat er ein Sofa auf die Bühne gestellt, über dem ein handgesticktes Bild hängt, auf dem „Home Sweat Home“ zu lesen ist. Denn Fehler bauen die Deutschen nicht nur in ihre eigene Sprache ein.

Tatsächlich erinnert Sicks Programm ein wenig an eine Diashow im trauten Kreis der Familie. Doch statt langweiliger Aufnahmen aus dem jüngsten Campingurlaub, gibt es Bilder von absurden Verkehrsschildern, abenteuerlichen Speisenkarten und mutigen Grammatik­experimenten. Wer allerdings regelmäßig auf den Kanälen der sozialen Medien unterwegs ist, kennt bereits das Phänomen, welches dort auf der Bühne gezeigt wird: Es sind die Sprachkünste der anderen, die einem köstliches Vergnügen bereiten.

Zum Schreien komisch

Auch wenn diese Absurditäten nicht mehr ganz neu sind, schafft es Sick als alter Hase in diesem Metier und in seiner Funktion als Entertainer, das Publikum zu überzeugen. Wenn er von „beleckten Brötchen“, „belgiesischen Tomaten“, „Tampons für Damen und Herren“ und dem Ratschlag „Speise früh Kartoffeln“ berichtet, dann ist das tatsächlich zum Schreien komisch. Auch gelingt es ihm, sich über den Zusammenhang von Political Correctness und Sprache auszulassen, wie der im vergangenen Jahr geführten Diskussion um die Neuauflagen beliebter Kinderbücher, ohne dabei in ein Fettnäpfchen zu treten. Stattdessen mündet seine überraschende Pointe darin, dass aus dem Wort „Vater“ in der neuen Version von Pippi Langstrumpf „Papi“ geworden ist.

Der Mann hat Humor. Und er ist sich nicht zu schade, selbstironisch seine Liebe für den deutschen Schlager und die Chanson-Sängerin Mireille Mathieu zu offenbaren. So singt der Journalist und Bestsellerautor an diesem Abend, wenn auch nicht besonders gut, drei selbstgedichtete Schlager. Sie handeln von den Tücken, Vorzügen und Mysterien seiner Geliebten – der deutschen Sprache.

Die Menge des vermittelten Wissen bleibt am Ende des Abends leider relativ klein. Vielleicht muss sie aber auch nicht mehr größer sein – immerhin hat Sick uns seit 2003 schon alles Wichtige über die deutsche Sprache beigebracht. Jetzt ist er eben Entertainer.

Von Serafia Johansson

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