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Bachs Weihnachtsoratorium mit dem Universitätschor Göttingen

Bedächtige Tempi Bachs Weihnachtsoratorium mit dem Universitätschor Göttingen

Der Appetit auf Bachs Weihnachtsoratorium ist in Göttingen fast unstillbar. Eine Woche nach dem Konzert in St. Albani hatte der Akademische Musikdirektor Ingolf Helm dieses Werk aufs Programm gesetzt – in zwei Aufführungen in der rappelvollen Nikolaikirche am Freitag und Sonntag, die beide jeweils rund 500 Zuhörer anlockten.

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Besonders die Soprane glänzten: Universitätschor in St. Nikolai.

Quelle: Heller

Göttingen. Der aus Norddeutschland stammende Dirigent bevorzugt eher bedächtige, unaufgeregte Tempi. Das ist in Zeiten der historischen Aufführungspraxis, in der man gern den tänzerischen Gestus der Musik herausarbeitet, ungewohnt.

Aber auch wenn solche Tempi hier und da vielleicht ein wenig betulich wirken (und der Evangenlistenbericht vielleicht doch ein nicht ganz so beschauliches Zeitmaß gut vertragen könnte), gewinnt man so mehr Zeit, sich auf die Feinheiten der Bachschen Musik einzulassen.

So konnten die höhenfreudigen, jugendlichen Chorsoprane im eröffnenden „Jauchzet, frohlocket“ besonders hell glänzen. Auch im „Ehre sei Gott“-Chor der zweiten und vor allem im strahlenden „Herrscher des Himmels“-Chor der dritten Kantate zeigte der Universitäts­chor seine Stärken, auch wenn hier und da die Konturen noch mehr Schärfe und Präzision vertragen hätten.

Im Solistenquartett ragte die ausgereift gestaltende Altistin Anna Bineta Diouf mit ihrer ganz gleichmäßig durchgebildeten, sehr ausgeglichenen und flexiblen Stimme heraus. Theresa Sommer mit ihrem hellen, in den hohen Lagen oft besonders leuchtenden Sopran sollte der Textartikulation vielleicht noch etwas mehr Sorgfalt angedeihen lassen.

Zahlreichen Gästen in den Bläserparts

Mit angenehmer Leichtigkeit sang Friedrich von Mansberg den Evangelistenpart und zeigte in seiner virtuosen Arie „Frohe Hirten, eilt“ beachtliche Kehlfertigkeiten. Komplettiert wurde das Solistenquartett durch Jürgen Orellys schlanken, geschmeidigen Bass, der nur mit den Spitzentönen bisweilen etwas Mühe hatte.

Das Göttinger Universitätsorchester – mit zahlreichen Gästen in den Bläserparts – bot eine solide instrumentale Basis mit manchen bemerkenswerten solistischen Leistungen in den Arien, in denen Bach das Vokalsolo mit einem duettierenden Instrument kombiniert. Ingolf Helm hatte überdies die hübsche Idee, das Publikum zum Mitsingen bei den Chorälen einzuladen.

Der Zuspruch war allerdings nicht sehr lautstark, vielleicht wegen der sehr klein gedruckten Noten im Programmheft.

Für den herzlichen Applaus bedankten sich Chor und Orchester mit einer weihnachtlich-besinnlichen Zugabe: mit dem Lied „Es ist ein Ros’ entsprungen“ im Satz von Michael Praetorius.

Der zweite Teil des Bachschen Weihnachtsoratoriums, die Kantaten 4 bis 6, ist in derselben Besetzung am Dienstag., 6. Januar, um 20 Uhr in der Universitätskirche St. Nikolai zu hören. Karten unter unimusik-goettingen.de    

Von Michael Schäfer

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