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Ballettgastspiel des Russischen Staatstheaters Astrachan in Göttingen

Bunt und lebendig Ballettgastspiel des Russischen Staatstheaters Astrachan in Göttingen

Zu Weihnachten gibt es traditionell ein paar Konstanten: etwa die Oper „Händel und Gretel“, im Radio die Geschichte „Die Herdmanns kommen“, gelesen von Henning Venske, oder die Weihnachtsansprache des Bundespräsidenten.

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Farbenfroh und springlebendig: Ballettensemble des Theaters Astrachan in Tschaikowskys „Nussknacker“.

Quelle: Heller

Göttingen. Mindestens gleich hoch in der Gunst des Publikums steht das Ballett „Der Nussknacker“ von Tschaikowsky.

Mit diesem Werk gastierte am ersten Weihnachtsfeiertag das Russische Staatstheater für Oper und Ballett Astrachan in der nicht ausverkauften, aber doch leidlich gut gefüllten Stadthalle. Dank des frühen Beginns um 16 Uhr waren auch viele Kinder unter den Zuschauern.

Das Theater ist derzeit gleich mit zwei Tourneen unterwegs, auch „Schwanensee“ steht auf dem Programm. Auf den Göttinger „Nussknacker“ folgte am Freitag dasselbe Programm in Bamberg, am Sonnabend und Sonntag gastiert das russische Ballett mit „Schwanensee“ in Weiden und Gera sowie am Montag  mit dem „Nussknacker“ in Frankfurt an der Oder.

Kein Orchester, keine Experimente

So funktioniert Tourneetheater. Wozu auch gehört, dass in der Kalkulation kein Platz für ein Live-Orchester ist, da muss die Konserve reichen. Und wozu auch gehört, dass man sich nicht auf irgendwelche Regie- oder Choreografie-Experimente einlassen kann. Solche Hintergründe sollte man kennen, wenn man eine Aufführung angemessen beurteilen will.

So wirkt die Tanzeinstudierung, die in Teilen auf die Uraufführungs-Choreografie von Marius Pepita zurückgeht, in der Tat sehr konventionell. Das Bühnenbild ist vor allem praktisch, denn es muss ja in jeder Stadt funktionieren. Da reichen ein stilisierter Weihnachtsbaum und etliche bunt bemalte Stoffbahnen vollkommen aus.

Kleine Glanzlichter setzen die nicht minder konventionellen, aber sehr ästhetischen, farbenfrohen Kostüme samt den skurrilen Köpfen des Mäusekönigs und seiner Armee.

Aber nach etwas verhaltenem Beginn kommt tatsächlich Leben auf die Bühne. Das Publikum geht vor allem nach der Pause begeistert mit. Gab es am Anfang nur zurückhaltenden Applaus, steigern sich Spontaneität und Lautstärke des Beifalls im Divertissement des zweiten Aktes mit seinen verschiedenen Nationaltänzen ganz erheblich.

Kein Wunder, denn hier zeigt sich die Leistungsfähigkeit des knapp 40 Tänzerinnen und Tänzer umfassenden Ensembles besonders eindrucksvoll mit hohen Sprüngen, eleganten Pirouetten und einigen geradezu akrobatischen Figuren.

Spiel- und Springfreude

Und über die handwerkliche Solidität dieses Gastspiels hinaus ist in diesem zweiten Akt auch ein erhebliches Maß an Spielfreude auf der Bühne zu beobachten, etwa beim chinesischen Tanz oder beim spring­lebendigen Trepak: Das ist beileibe nicht selbstverständlich, wenn man sich die harten Bedingungen  einer solchen Tourneeproduktion vergegenwärtigt. Am Ende gab es geradezu rauschenden Applaus. 

Von Michael Schäfer

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