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Bandleader James Last gastiert in der Göttinger Lokhalle

Urgestein der Unterhaltungsmusik Bandleader James Last gastiert in der Göttinger Lokhalle

Eine Ära geht zu Ende. James Last, Urgestein der Unterhaltungsmusik, zieht sich von der Bühne zurück. Am Mittwoch machte er auf seiner Abschiedstournee Station in der Lokhalle.

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Das Alter sieht man ihm an, die Liebe zur Musik ist ungebrochen: James Last.

Quelle: CR

Göttingen.  Der Bandleader schont sich nicht: Am 17. April, seinem 86. Geburtstag, gastiert er in der Leipziger Arena, vorher in Hamburg, Odense, zweimal in der Royal Albert Hall in London, in Frankfurt, Straßburg und Hannover, später in München, Wien und Regensburg. Sein allerletzter Auftritt ist am 26. April in Köln. Dann beginnt der Ruhestand. 

Das Alter sieht man ihm an. Er steht ein bisschen gebeugt auf der Bühne, hat einen leicht tapsigen Gang. Aber greisenhaft oder gar senil ist er keinesfalls. Und genuschelt hat er auch schon in jungen Jahren – seine fröhliche Moderation ist manchmal etwas rätselhaft. Das weiß er auch. Als er sich kürzlich die Aufnahme einer Fernseh-Talkshow ansah, habe er sich selbst nicht verstanden: „Lieber mach ich Musik, da muss ich nicht so viel quatschen.“

Rund 1500 Fans waren in die Lokhalle gekommen, Generation 40 plus, viele Grau- bis Weißhaarige. Ein gesittetes Publikum, freigiebig im Beifall, aber nie überbordend. Es freut sich am warmen, kuscheligen Happy Sound des James-Last-Orchesters, der vor allem den Streichern geschuldet ist. 13 Geiger und eine Cellistin thronen oben auf dem Bühnenpodest, vor sich die drei Posaunisten und der Flötist (der auch für Saxofon, Block- und Panflöte zuständig ist). Vorn links und rechts sitzen je zwei Trompeter, der Rest dazwischen: Piano, Schlagzeug, Gitarren, E-Bass, Percussion. Und vorn in der Mitte, ganz ohne Showattitüde, gibt James Last die Impulse. Dafür braucht er längst nicht so viel Bewegung wie Klassik-Dirigenten à la Bernstein. Kleine, sparsame Zeichen mit einer Hand reichen völlig aus.

Im Programm hat er etliche alte Zugnummern untergebracht. Die meisten Ahs und Ohs gibt es beim Superhit „Biscaya“ mit den drei Akkordeons, der 1981 wochenlang in den Charts stand und immer wieder neu aufgelegt worden ist. Dass sich „Hansi“ Last auch in der Klassik auskennt, beweist er mit einem rockigen Arrangement des d-Moll-Präludiums aus dem Wohltemperierten Klavier von Bach. Zu Johann Strauß’ „Geschichten aus dem Wienerwald“ lässt er das Publikum Walzer tanzen. Anfangs folgen nur drei, vier Paare seiner Aufforderung, die in der großen Halle etwas verloren wirken, später sind es schon fast 20. Auch mit dem Säbeltanz von Chatschaturjan aus dem Ballett „Gayaneh“ kann der Altmeister punkten.

Aufgepeppt hat er das Programm mit einigen moderneren Arrangements. Die haben mehr Lautstärke, sind etwas aggressiver, härter, etwa mit der Gospellady Ingrid Arthur. Da stellt sich der König des Easy Listening gern in den Hintergrund und zeigt damit an, dass das nicht so ganz seine Musik ist. Aber: Er steht dazu, keine Frage.

Das Finale reicht vom Brahms-Lied „Guten Abend, gut’ Nacht“ über „Auf Wiedersehn’n“ bis „Glad you come“ und „Timber“. Dann ist Schluss, nach zweieinhalb Stunden wohlgesitteter Unterhaltung. Last verkündet sein Credo: „Musik ist das Beste auf der Welt, was es gibt.“ Die Musiker, lautstark beklatscht, verlassen die Bühne – und so verstummen auch die zaghaften „Zugabe“-Rufe ziemlich schnell. Ist ja auch nicht nötig. „Ein toller Mann, die Haare sind zwar kürzer geworden, aber echt eine Legende“, kommentierte kürzlich ein Fan im Internet. Recht hat er.

Von Michael Schäfer

In unserer Region ist James Last noch einmal am Mittwoch, 15. April, um 19.30 Uhr in der Swiss Life Hall in Hannover zu erleben.

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