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Barock-Oper "Artaserse" am Staatstheater Kassel

Strahlende Höhen und perfekte Leichtigkeit Barock-Oper "Artaserse" am Staatstheater Kassel

Barocke Opern auf dem Spielplan sind häufiger, als man denkt. Händel rangiert in der internationalen Statistik der vergangen fünf Jahre noch vor Richard Strauss. Kassel bringt alljährlich ein barockes Werk auf die Bühne. Diesmal: „Artaserse“ von Leonardo Vinci.

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Arbace (Lin Lin Fan) und Artaserse (rechts, Yuriy Mynenko) mit Michael Hinze (links) und Daniel Hellwig.

Quelle: Klinger

Kassel. Mit seinem Beinahe-Namensvetter hat Vinci (ohne „da“) nichts zu tun. Sein „Artaserse“, ein „Dramma per musica“ auf ein Libretto von Pietro Metastasio, wurde 1730 in Rom uraufgeführt, noch einmal 1746 in Dresden auf die Bühne gebracht und war seitdem nie wieder zu erleben.

Dass Kassel diese Oper auf den Spielplan setzte, kommt allerdings nicht von ungefähr: Concerto Köln hat 2012 den „Artaserse“ auf CD herausgebracht, eine Aufnahme, die der Hessische Rundfunk als „Sensation“ bewertet hat. Zur CD-Sensation gehört, dass diese Aufnahme – dem Original entsprechend – gleich fünf Countertenöre aufbietet. Denn 1730 waren in Rom Frauen auf der Bühne verboten. Kassel rudert zurück: Hier sind vier dieser fünf Rollen mit Frauen besetzt, einzig die Titelpartie ist ein Countertenor.

Die Handlung in Kürze: Artabano hat einen Mord begangen, doch seine Tat wird anderen untergeschoben, darunter seiner Tochter Arbace. Dafür wird sie vom eigenen Vater zum Tode verurteilt. Doch im Finale muss Artabane seine Untat gestehen. Er soll sterben – Arbace aber will an seiner Statt ihr Leben dahingeben. Das rührt den Herrscher Artaserse derart, dass er Artabane begnadigt. Es versteht sich von selbst, dass es auch ein Geflecht diverser Liebesbeziehungen zwischen diesen und den anderen drei Personen der Geschichte gibt.

Dirk Beckers wandelbare, schmucklos-schlichte Bühne gibt der Oper einen würdigen Rahmen. Der Regisseurin Sonja Trebes gelingt ein Kunststück: Immer wieder durchbricht sie das hohe Pathos mit ironisierenden Einfällen, nimmt aber dennoch die Handlung ernst. Die Balance ist gewahrt.

In der Titelrolle glänzt der wunderbar locker, strahlend und kraftvoll singende Countertenor Yuriy Mynenko, der 2013 in Kassel in Händels „Saul“ Furore machte. Lin Lin Fan als Arbace besitzt strahlende Höhen und perfekte Leichtigkeit, spielt dazu springlebendig. Die Schönheit des warmen Soprans von Maren Engelhardt (Mandane, Schwester von Artaserse) wird nur dann und wann gestört, wenn ihr Ton etwas kehlig wird.

Ani Yorentz (Semira, Schwester Arbaces) singt sehr präzise und gestaltet ihre Rolle lebendig, nur wirkt sie bisweilen etwas angestrengt. Wunderbar verruchte Töne bietet die Mezzosopranistin Inna Kalinina als Dienerin Megabise. Dass gegen dieses Aufgebot hoher Stimmen der einzige Mann etwas abfällt, darf man dem Tenor Bassem Alkhouri (Artabano) nicht zu hundert Prozent anlasten: Einer solchen Übermacht muss man(n) einfach erliegen.

Dirigent Jörg Halubek, Kasseler Spezialist für Barockes, hat das Orchester auf eine stilgerechte Besetzung von rund 30 Musikern geschrumpft: Das ergibt einen transparent-federnden Klang, vielleicht nicht ganz so strahlend-virtuos wie der barocker Spezialistenensembles, aber doch auf sehr hohem Niveau. Und nicht vergessen seien die zehn Statisten, die dank einer ausgesprochen klugen Bewegungsregie den drei Akten schöne Farbtupfer geben.

Von Michael Schäfer

Termine in der Kasseler Oper, Friedrichsplatz 15 (jeweils 19.30 Uhr): 23. Dezember, 8., 10. (18 Uhr), 15., 22., 28. Januar und vier weitere Aufführungen bis 1. April. Kartentelefon 05 61 / 10 94-222.

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