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Barocke Klänge aus Südamerika mit dem Ensemble K'antu

Werke aus der spanischen Kolonialzeit Barocke Klänge aus Südamerika mit dem Ensemble K'antu

Europäische Barockmusik ist während der spanischen Kolonialzeit in Südamerika mit Traditionen der Indios, aber auch der schwarzen Sklaven zu einem ganz eigenen Stil verschmolzen. Mit solchen Stücken eröffnete das britische K'antu Ensemble am Donnerstag die "Göttinger Reihe Historischer Musik".

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In Göttingen spielt das Ensemble K'antu bei ihrem Konzert in der Reihe Historischer Musik der Göttinger Händel-Gesellschaft spanische Komponisten wie Gaspar Sanz oder Santiago de Murcia.

Quelle: Heller

Göttingen. Jahrhundertelang schlummerten die Noten in Archiven. „Erst in den vergangenen 20 Jahren wird diese Musik, die lange als minderwertig galt, wiederentdeckt“, berichtet K'antu-Gründerin Ruth Hopkins. Sie stieß bei Recherchen in der British Library auf die Kompostionen. „Ich habe als Studentin in einer südamerikanischen Folklore-Band gespielt“, erklärt Hopkins ihr Interesse. 2012 entstand die Gruppe K'antu, die nach einem peruanischen Musik- und Tanzstil jener Epoche benannt ist.

In Göttingen spielte das Ensemble bei ihrem Konzert in der Reihe Historischer Musik der Göttinger Händel-Gesellschaft spanische Komponisten wie Gaspar Sanz oder Santiago de Murcia. Diese hatten im 17. und 18. Jahrhundert ihre Stücke an den Geschmack des südamerikanischen Publikums angepasst. Das Ensemble führte aber auch Werke des peruanischen Codex Martínez auf. Diese Stücke stammen von Komponisten des Andenlandes, die sich ihrerseits die europäische Musik angeeignet haben.

„In Südamerika waren in präkolumbianischer Zeit vor allem Blasinstrumente bekannt“, erzählt Hopkins. Durch die Europäer lernten die Indios Saiteninstrumente kennen, die sie nachbauten. So entstand beispielsweise im 16. Jahrhundert das Zupfinstrument Charango, dessen Resonanzkörper anfangs aus dem Panzer eines Gürteltiers gefertigt wunde. Ein solches Instrument tauschte Ben Mitchell manchmal gegen seine Barockgitarre aus.

Mit geschlossenen Augen ganz in die fremden Klangwelten vertieft, sorgte George Kirkham für die Percussion. Andrew Hopper spielte die Viola da Gamba. Der erfahrene Sänger übernahm zudem die Bass-Partien. Sich in die Rhythmen wiegend spielte Michelle Holoway Blockflöte oder sang mit ihrer Alt-Stimme. Sopanistin Hopkins, die über eine markante Stimme verfügt, griff auch zu Violine und Blockflöte.

Zum Programm gehörten drei Stücke von Georg Friedrich Händel, die für einen eigentümlichen Kontrast sorgten. K'antu führte zudem ein zeitgenössisches Stück, „Verbindung“ von Karlheinz Stockhausen, auf. Der Komponist verzichtete auf Noten und beschrieb die Klänge nur in Worten. Die Musiker spielten einzeln, griffen die Töne des anderen auf, bildeten Paare, summten. Ein ebenso ungewöhnlicher, wie unterhaltsamer Abend, der mit kräftigem Applaus und einer Zugabe endete.

Die Göttinger Reihe Historischer Musik 2015/16 wird fortgesetzt am Donnerstag, 10. Dezember, um 20 Uhr im Aulagebäude der Universität, Wilhelmsplatz 1, mit einem Konzert vom "The Goldfinch Ensemble" aus den Niederlanden.

Von Michael Caspar

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