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Bassist Eberhard Weber über sein Leben

„Bausteine für meine Karriere“ Bassist Eberhard Weber über sein Leben

Mit seinem singenden, einzigartigen Sound auf dem eigens für ihn entworfenen elektro-akustischen Bass wurde Eberhard Weber zu einer herausragenden Persönlichkeit der internationalen Jazzszene. In diesem Jahr feierte er seinen 75. Geburtstag und wurde in Stuttgart mit dem Jazzpreis Baden-Württemberg für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Seit 2007, als er kurz vor einem Konzert mit der Jan-Garbarek-Group in der Berliner Philharmonie einen Schlaganfall erlitt, kann er nicht mehr Bass spielen.

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Quelle: Cimarosti

1979 erschien das Album „Wieder unterwegs“ von Hannes Wader. Es wurde unter anderem mit Ihrer Mitwirkung im Studio St. Blasien in Northeim direkt neben dem Bürgersaal aufgenommen. Haben Sie noch Erinnerungen an diese Aufnahme dort?

Wenn man bei schätzungsweise 200 Plattensitzungen mitgewirkt hat, ist es verständlich, sich eher an ausgefallene Produktionen oder Vorkommnisse zu erinnern. Mit Hannes Wader habe ich dieser Zeit mehrere Platten aufgenommen. An Northeim kann ich mich gut erinnern. Waders Arbeitsweise war interessant für mich. Er hatte nur Texte, keine Noten. Er spielte seine Lieder ein und gab mir den Mitschnitt auf Kassette. Da nahezu jede Strophe bei gleicher Melodie ablief, aber leicht unterschiedliche Textlängen hatte, war ich gezwungen, in  Windeseile die Basstöne auf Papier zu kritzeln, um sie dann im Studio schnell auf Band zu spielen, was Erstaunen hervorrief, weil ich kaum Fehler machte und nicht allzu viel wiederholt werden musste.

 Wie kamen Sie zum Bassspiel? Gab es einen bestimmten Impuls, sich speziell diesem Instrument zu widmen?

Es war mein Musiklehrer im Gymnasium. Im Orchester fehlte ein Kontrabass, ich spielte damals Cello. Ein Instrument stand herum und mein Musiklehrer bat mich damals, mir die Bass-Stimme draufzuschaffen. Ich glaube, es war eine Telemann-Komposition, nicht besonders schwierig. Das war meine erste Begegnung. Dann habe ich aber schnell gemerkt, dass für den Jazz, der mich damals zu interessieren begann, der Kontrabass geeigneter ist als das Cello. So kam es zum Wechsel.

 Ihre Kompositionen sind oft sehr orchestral angelegt und Sie haben auch schon Filmmusiken komponiert. Würden Sie sich eher als Symphoniker denn als Jazzmusiker bezeichnen?

Nein.

 Wie sehen nach Ihrem Schlaganfall Ihre Ideen und Pläne für die Zukunft aus? Werden Sie Ihre kompositorischen Fähigkeiten auch für andere Musiker oder weitere Projekte einsetzen?

Den Beruf des Komponisten habe ich an den Nagel gehängt. Musiker bleibt man, nehme ich an. Ich habe aber festgestellt, dass meine Kompositionen immer mit meinem Bass und meinem Sound zu tun haben. So merkwürdig es klingt: Wenn ich geschrieben habe, habe ich das immer im Kontext mit meinem Instrument gemacht. Auch wenn ich beim Komponieren viel mit dem Klavier oder dem Keyboard gearbeitet habe: Ohne meinen Bassklang kann ich nicht komponieren. Komponisten und Arrangeure gibt es genügend, da muss ich nicht auch noch mitmischen.

 Mit Jan Garbarek verbindet Sie eine mehr als 25-jährige Zusammenarbeit. Worauf baute dieses ungewöhnlich lange Zusammenwirken auf?

Wir haben uns beide wohlgefühlt dabei. Und wir haben uns gut verstanden. Wenn man so lange zusammen ist, ist es wichtig, dass man nicht nur musikalisch auf einer Wellenlänge schwimmt. Mindestens ebenso wichtig ist es, dass man auch persönlich miteinander klar kommt. Und der Erfolg wurde immer größer. Warum also hätten wir die Zusammenarbeit beenden sollen? Irgendwann hat dann das Schicksal entschieden.

 Sie haben im Laufe Ihrer Karriere mit vielen bekannten und bedeutenden Musikern wie Pat Metheny oder Wolfgang Dauner zusammengearbeitet. Gab es einen Wegbegleiter, der Sie ganz besonders beeindruckt und beeinflusst hat?

Jeder zu seiner Zeit. Begonnen hat es mit Dauner, später Jan Garbarek. Beide haben mich sicher am meisten beeinflusst. Aber es gab andere: Volker Kriegel, Dave Pike, der vor kurzem gestorben ist, Gary Burton – viele Kollegen, und jeder hat auf seine Weise inspiriert, Spuren hinterlassen. Sie waren sozusagen Bausteine für meine eigene Karriere.

 In ihrer Biografie wird ihre Teilnahme an drei Kate Bush Alben thematisiert. Wie kam es zu dieser für einen Jazzmusiker eher ungewöhnlichen Zusammenarbeit?

Ich war in Hamburg und kam nach einer Probe ins Hotel, da lag eine Nachricht für mich an der Rezeption: eine Frau Busch hat für Sie angerufen. Ich habe nachgedacht, kam aber nicht drauf, wer das hätte sein können. Ich kannte keine Frau Busch. Sie hatte auch keine Kontaktdaten hinterlassen, also habe ich den Zettel zerknüllt. Einige Zeit später hat es sich telefonisch geklärt, dass diese Frau Busch Kate Bush war. Meine Frau Maja war ein Fan von ihr, was ich des Öfteren mitbekommen habe. Insofern konnte ich mich auch als Kate-Bush-Fan bezeichnen. Und Kate andererseits outete sich auch als ECM- und Eberhard-Weber-Fan.

 Zu Ihrem 75. Geburtstag wurde Ihnen im Januar in Stuttgart unter Teilnahme vieler alter Weggefährten wie Gary Burton, Jan Garbarek, Paul McCandless, der Jazzpreis Baden-Württemberg für Ihr Lebenswerk verliehen. Wie war Ihr Eindruck von dem Abend? Hat Pat Metheny Sie mit seiner eigens für Sie komponierten mehr als 30-minütigen Suite „Hommage à Eberhard Weber“ überrascht?

Im Booklet zu der ECM-CD, die zu diesem Konzert erschienen ist, beschreibe ich ja meine Gefühle: Es war tatsächlich überwältigend für mich. Ich wusste, dass Pat zugesagt hatte, bei dem Konzert dabei zu sein. Und ich weiß, dass man bei ihm immer mit etwas Besonderem rechnen kann. Aber was er da abgeliefert hat, ist unglaublich. Mittlerweile ist das Werk bereits in Tokio und Detroit gespielt worden – mit den jeweiligen Big Bands dort, mit Pat, Danny Gottlieb, Gary Burton, Scott Colley und mit mir auf der Leinwand. Pat hat mir geschrieben, so könne ich nun wieder weltweit auf Tournee gehen und trotzdem zuhause bleiben. Ganz praktisch.

 Wie sehen und bewerten Sie den Jazz in der heutigen Zeit und speziell die junge deutsche Jazzszene mit Musikern wie Michael Wollny oder Nils Wogram?

Die Jungen sind erheblich besser als wir alten. Was die musikalisch drauf haben, davor kann man nur allergrößten Respekt haben. Aber es ist wie es früher auch war: Letztlich sind es nur einige wenige, die über die musikalischen Fähigkeiten hinaus soviel Originalität und Individualität mitbringen, dass sie wirklich herausragen, dass sie auch in der Lage sind, wirklich Eigenes und Neues zu bringen. Das wird aber wohl immer schwieriger. Der Schwabe sagt: S’meiste isch g‘schwätzt. Ich bin jedenfalls froh, nicht mehr anfangen zu müssen.

 In Northeim werden Sie Ihre Biografie „Resumé“ vorstellen. Wie kam die Idee zu dem Buch, wie entstand der Kontakt zum Sagas Verlag und Martin Mühleis, der die Veranstaltung auch moderieren wird und was erwartet die Besucher an diesem Abend?

Der Besucher kann sich auf einen Musiker freuen, der schreiben kann. Zum Vorleser eigne ich mich nur bedingt. Meine Bühnentätigkeit gehörte den Tönen und Klängen, nicht den Worten. Das können die Damen und Herren Schauspieler besser. Da hapert es dann eher am Singen oder Spielen.

Interview: Jörg Linnhoff

Eberhard Weber: „Résumé: Eine deutsche Jazz-Geschichte“, Sagas-Edition, 252 Seiten, 19,99 Euro.

Der Autor stellt sein Buch „Résumé“ am Donnerstag, 3. Dezember, um 20 Uhr im Bürgersaal, Am Münster in Northeim, vor.

Schlaganfall im Hirn

Der Schlaganfall ist eine Durchblutungsstörung im Gehirn. In den überwiegenden Fällen handelt es sich um eine mangelhafte Durchblutung, seltener ist eine Blutung, die einen Bluterguss zur Folge hat. Jährlich erleiden etwa 200 000 Menschen in Deutschland einen Schlaganfall. Die meisten Betroffenen sind älter als 60. Grund ist häufig eine Arterienverkalkung, die dazu führt, dass das Hirn nicht genügend versorgt wird.

Eine andere Ursache kann ein Vorhofflimmern des Herzens sein. Dabei bilden sich Blutgerinsel die im Hirn einen Schlaganfall auslösen können. Symptome sind Taubheit auf einer Körperseite, Lähmungserscheinungen in einem Bein, Arm oder einer Gesichtshälfte, flüchtige Blindheit auf einem Auge sowie Sprech- und Sprachstörungen.

Besteht der Verdacht auf einen Schlaganfall: Unbedingt die Notrufnummer 112 wählen. Je schneller ein Schlaganfallpatient behandelt wird, desto größer die Heilungschancen. pek

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