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„Beim Theaterspielen konnte ich glänzen“

Dieter Scheil „Beim Theaterspielen konnte ich glänzen“

Der Schauspieler Dieter Scheil steht heute Abend in der Inszenierung „I Hired a Contract Killer“ auf der Bühne im Keller des Deutschen Theaters Göttingen. Nach 60 Bühnenjahren ist es der vorerst letzte Auftritt des 80-Jährigen.

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Nach sechs Jahrzehnten auf der Bühne: Dieter Scheil verlässt das Deutsche Theater.

Quelle: Mischke

Dieter Scheil sitzt auf einem Barhocker, die ganze Vorstellung über. Er spricht nur wenig, doch sein Fehlen machte die Inszenierung ärmer. An eine andere Rolle erinnert sich der Schauspieler: „Kein Text, aber bei der Vorbeugung Bravo-Rufe.“

Vor 60 Jahren begann Scheils Theaterkarriere mit dem Schauspielstudium in Stuttgart. Seine einzige Berührung mit dem Genre vorher: Als Jugendlicher spielte er in der evangelischen Kirchengemeinde. „Ich war kein guter Schüler, aber beim Theaterspielen konnte ich glänzen“, erinnert er sich. Nach Abschluss des Schauspielstudiums („Das reichte mir nicht“) wechselte er an die Uni in München und studierte Theaterwissenschaften. Mit August Everding und Dieter Hildebrandt machte er damals Studententheater. „Und dann  wollte ich nochmal auf eine berühmte Schauspielschule.“ Scheil ging an die Otto-Falckenbergschule in der bayerischen Landeshauptstadt, wo er auch an den Münchner Kammerspielen seinen ersten Vertrag unterschrieb. 

Sechs Jahrzehnte lang hatte Scheil schließlich ohne Unterbrechung Engagements an verschiedenen Häusern, in Braunschweig ließ er sich 1966 für 20 Jahre nieder. Er hatte eine Familie gegründet. „Ich bin der einzige Schauspieler in Deutschland, der sechs Söhne hat.“ Am dortigen Theater erreichte er wie üblich nach 15 Jahren die Unkündbarkeit. Die setzte er auf Spiel, als der damalige Oberspielleiter Heinz Engels als Intendant ans Deutsche Theater (DT) Göttingen wechselte. Mit einer Postkarte habe er sich bei ihm beworben, sagt Scheil: „Für dich würde ich mein Lebenslänglich aufgeben.“ Engels holte ihn 1986 ans DT.  Hier spielte er zahlreiche Rollen, „besonders gerne mochte ich die Mischung aus Tragik und Komik“ – wie bei „Mein Freund Harvey“, eine seiner liebsten Aufgaben, „an die sich die Leute heute noch manchmal erinnern.“

Seit einem halben Jahr lebt Scheil jetzt mit seiner zweiten Ehefrau Alexandra Gründel in Berlin – und ist bei einer Agentur untergekommen, die Schauspieler für TV-Produktionen vermittelt.

Von Peter Krüger-Lenz

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