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Benjamin Brittens „War Requiem“ in Göttingen

Göttinger Jacobi-Kantorei Benjamin Brittens „War Requiem“ in Göttingen

Kaum vorstellbar ist die Katastrophe des Zweiten Weltkriegs, kaum vorstellbar ist Versöhnung zwischen einstigen Feinden. Doch Musik kann dazu beitragen: so das „War Requiem“ von Benjamin Britten, das am Sonnabend in der Göttinger Jacobikirche mit erschütternder Intensität aufgeführt wurde.

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AuffŸhrung von "War Requiem" in der Jacobikirche in Göttingen.

Quelle: Heller

Göttingen. Der musikalische Aufwand ist enorm: Britten verlangt einen großen Hauptchor, einen Knabenchor, ein volles Symphonieorchester, ein Kammerorchester und drei Gesangssolisten. Die hatte er bei der Uraufführung 1962 als Zeichen der Versöhnung aus drei ehemals kriegführenden Staaten rekrutiert: aus England, Deutschland und der Sowjetunion.

Die große Zahl von Musikern zu koordinieren, ist für den Dirigenten keine leichte Aufgabe. Doch Jacobi-Kantor Stefan Kordes, der das Oratorium zuletzt 2005 am selben Ort präsentierte, ist mit dem Werk eng vertraut, wie die spannungsreiche Aufführung erwies. Zwar waren manchmal die Lautstärken zwischen Vokalisten und Orchester nicht ganz genau abgestimmt, aber die Dramaturgie hatte der Dirigent klug durchdacht. Steigerungsstrecken bereitete er mit langer Hand vor und sorgte auch bei großem Tutti-Kraftaufwand für Momente der Entspannung, für Ruhepunkte und farbenreichen Klang.

Die hörbar gut vorbereitete Kantorei St. Jacobi präsentierte einen kraftvollen Chorklang und war auch in harmonisch komplizierten Passagen fast durchweg intonationssicher. Nur könnte der Klang im Piano etwas mehr Kern vertragen. Denn auch bei geringer Lautstärke können stimmlich schärfere Konturen entstehen. Von der Orgelempore aus steuerte der ebenfalls sehr gründlich von Michael Krause vorbereitete Göttinger Knabenchor seinen anrührenden Part engagiert und stimmstark bei.

Die Gesangssolisten haben in diesem Oratorium eine besonders wichtige Funktion. Dem Solosopran sind – wie den Chören – die Texte aus dem lateinischen Requiem anvertraut. Tenor und Bass singen von Britten sehr subtil vertonte Gedichte von William Owen, die der englische Dichter kurz vor seinem Kriegstod 1918 geschrieben hat. Mit Clemens Löschmann (Tenor) und Andreas Scheibner (Bass) waren diese Partien ideal besetzt: Beide Solisten verfügen über sehr kraftvolle, ausgesprochen geschmeidige Stimmen und sind souverän in der Gestaltung.

Das gilt gleichermaßen für die Sopranistin Anna Dennis, die ihren Part mit großer, sehr kultivierter Stimmkraft sang. Vor allem in den hohen Lagen faszinierte sie mit wunderbar hell leuchtenden Tönen.

Prächtig musizierten die Instrumentalisten des Göttinger Symphonie-Orchesters sowohl im hinten platzierten Tutti als auch im vorn sitzenden transparenten Kammerorchester einschließlich etlicher schöner solistischer Leistungen. Die Zuhörer waren zutiefst beeindruckt. Erst nachdem das finale Geläut in St. Jacobi verstummt war, klatschten die begeisterten Zuhörer in der voll besetzten Kirche lange und lautstark.

Eine Zweite Gelegenheit

Ein zweite Aufführung ist am Sonntag, 14. Februar, um 18 Uhr in St. Jacobi angesetzt.

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Von Redakteur Michael Schäfer

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