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Stuckrad-Barre und sein "Panikherz"

Lesung im Jungen Theater Stuckrad-Barre und sein "Panikherz"

Die ausverkaufte Lesung von Benjamin von Stuckrad-Barre im Jungen Theater hat am Freitag tiefe Einblicke in die Denkweise des in Göttingen aufgewachsenen Schriftstellers gegeben. Sein Roman „Panikherz“ behandelt seine „bis heute andauernde“ Ruhmessucht.

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Benjamin von Stuckrad-Barre liest aus „Panikherz“ und spricht dabei auch über sein Aufwachsen in Göttingen.

Quelle: SPF

Göttingen. Stuckrad-Barre schwärmt von seiner Jugendzeit in Göttingen. Hier besuchte er das Max-Planck-Gymnasium und erklärte den Zuhörern seine Entwicklung. Über seinen Weg vom regionalen Kulturmagazin „Nightlife“ unter Christoph Reisner (1965-2014), dem die Lesung gewidmet war, bis zu seinem Abistreich im Jahr 1994 mit der Punkband „The Bates“ ging es um ihn früh prägende Erlebnisse.

Wie eine Therapie

Dabei stand seine Panik vor neuen Situationen im Mittelpunkt: Panik vor den ersten Tagen in der neuen Schule oder Panik vor dem ersten Klassentreffen nach dem Abitur. Stuckrad-Barre von seiner ehrlichen und verletzlichen Seite.

Sein Buch wirkt wie eine Therapie. Der 1975 geborene Stuckrad-Barre sehnte sich nach einem Rockstar-Leben und erfuhr auch dessen Schattenseiten. Er kämpfte mit Drogenproblemen und einer Depression. In "Panikherz“ geht es um die Höhen und Tiefen seiner Biographie.

Die Lesung in Göttingen beschäftigte sich intensiv mit den „Göttingen-Stellen“ seines Lebens. Es ging um den Weg zum Rockstar. Stuckrad-Barre schaffte es mit einer gewissen Dreistigkeit beim Verfassen von Musikkritiken, sich bei „Nightlife“ zu etablieren.

Zunächst war Stuckrad-Barre vor den Bühnen der Bands unterwegs, aber es zog ihn in den Backstage-Bereich jeder Veranstaltung. Für ihn bedeutete ein „All Area Access“-Schild bei Konzerten, sein Ziel erreicht zu haben.

Biographie-Showdown

Erstaunlich sind die Gedankengänge von Stuckrad-Barre. Beim Lesen über das erste Klassentreffen wird klar, wie sehr die Schulzeit traumatisieren kann. „Man fühlt sich sofort wieder in die Haut eines 17-Jährigen geworfen“, so Stuckrad-Barre. Ein Klassentreffen sei ein Biographie-Showdown.

Die Erinnerung ist die einzige Hölle, aus der es kein Entrinnen gibt, schreibt er. Er fühlte sich psychisch nicht in der Lage und schaffte es nicht einmal, eine Absage zu schreiben.

Panikherz

njamin von Stuckrad-Barre: "Panikherz". Kiepenheuer & Witsch, 576 Seiten, 22,99 Euro.

Textpassagen wie diese geben einen guten Eindruck, wie Stuckrad-Barre sich mit Themen auseinandersetzt. Er wollte in den Augen seiner Mitschüler nicht schlecht dastehen und der Gedanke an Abweisung lähmte ihn.

Zwischen diesen Auseinandersetzungen in Jugendjahren ,seinem Weg nach Hollywood und seiner Zeit mit Udo Lindenberg zeigt das Buch eindrucksvoll Höhen und Tiefen eines reflektierten Schriftstellers, der die dunklen Seiten des Berühmtseins kennengelernt hat.

Von Vincent Lubbe

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