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Bernd Kaftan und Andreas Düker mit Weinlesung & Musik

10. Märchenwochen Bernd Kaftan und Andreas Düker mit Weinlesung & Musik

70 Jahre Lebenszeit für den Menschen, ein Märchen vom Eselein und eine rätselhafte Blume: Schauspieler Bernd Kaftan und Lautenist Andreas Düker sind am Montag in Bremers Weinkellerei am Wall den Brüdern Grimm zu ihren eher unbekannten Märchen gefolgt. Der Titel der Lesung: „Sterne und Taler“.

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Märchen und Musik: Bernd Kaftan (links ) und Andreas Düker.

Quelle: Hinzmann

Göttingen. „Rotkäppchen, Tischlein deck dich – der Wein hat vielfältig Einzug in Märchen gefunden.“ Mit dem Hinweis, dass die historische Weinkellerei zu der Veranstaltung der zehnten Göttinger Märchenwochen passe, begrüßt Gudrun Bartels vom ausrichtenden Verein Göttinger Märchenland fast 40 Besucher. Und so gibt es, den Wein genießend, bei der Lesung einiges im Werk der Brüder Grimm neu zu entdecken.

Gott gibt Esel, Hund, Affe und Mensch je 30 Jahre Lebenszeit. Doch der Esel muss schwer tragen, dem Hund fallen die Zähne aus, und der Zirkusaffe muss immer lustig tun. Die Tiere  bitten Gott um 18, zwölf und zehn Jahre Nachlass. Diese Jahre bekommt schließlich der Mensch gewährt, der mehr an Jahren möchte. Und so muss er nun in seinem 70 Jahre währenden Leben anderer Lasten tragen, um dann zahnlos und schließlich der Kinder Spott zu werden ob der albernen Dinge, die er treibt.

Mit der Parabel „Die Lebenszeit“ eröffnet Kaftan, der bis 2008 Schauspieler am Deutschen Theater Göttingen war, den Abend. So wie die weisen Worte zur Beschränktheit des Menschen präsentiert Kaftan ausschließlich Werke aus dem zweiten Band der 200 Jahre alten „Kinder- und Hausmärchen“ von 1815. Allesamt Texte, die es nicht an Bekanntheit mit den zu Klassikern gewordenen Märchen des ersten Bandes von 1812 aufnehmen können, dafür für viel Heiterkeit bei den Zuhörern sorgen.

Wozu die Habgier einen Menschen treiben kann, während die Genügsamkeit für Zufriedenheit sorgt, zeigt das Märchen „Der Arme und der Reiche“. Hinterlist und Betrug erhalten ihre gerechte Strafe im „Wasser des Lebens“, und „Der Geist im Glas“ wird mit Klugheit gebändigt. Eine Hommage an die Laute erweist Kaftan mit dem unkonventionellen Märchen „Das Eselein“, das zeige, wozu es ein Lautenspieler bringen kann. Ein wohl gewähltes Werk, um seinen Begleiter, den Lautenisten Andreas Düker, ins rechte Licht zu rücken.

Bereits seit 1999 gestalten der Schauspieler und der Musiker gemeinsam Lesungen, unter anderem für die Göttinger Händel-Festspiele. Und so präsentieren sie mit viel Erfahrung und Gefühl die Grimmschen Märchen.

Düker entführt die Zuhörer mit Werken aus dem 16. und 17. Jahrhundert  von Komponisten wie John Dowland und Johann Sebastian Bach und den mal eleganten und feierlichen, mal beschwingten und kapriziösen Klängen der Laute in die Welt der Märchen. Kaftan rezitiert die Texte spannungsreich, schelmisch, lebensklug und einfühlsam.

Aufmerksam lauschen die Gäste, die die Märchen und den Wein in schöner Atmosphäre genießen. Ein vergnüglicher Abend, der dazu anregte, mal wieder die Nase in Grimmsche Märchenbücher zu stecken.

Von Karola Hoffmann

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