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Der Klangfetischist

Bernstein Award für Felix Klieser Der Klangfetischist

Hornist Felix Klieser ist ein Ausnahmetalent. Nicht allein, dass er mit seinen 25 Jahren zu den besten Hornisten der Welt gehört. Klieser ist ohne Arme geboren und spielt Horn mit den Füßen. Am Donnerstag, 14. Juli, erhält er beim Schleswig-Holstein Musik Festival den Leonard Bernstein Award 2016.

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Ehrgeizig und diszipliniert: Felix Klieser ist einer der weltbesten Hornisten.

Quelle: Helbig

Lübeck/Göttingen. Herr Klieser, Sie haben ein beeindruckende Karriere hingelegt. Haben Sie erreicht, was Sie sich als kleiner Junge mal erträumt haben, und wie wollen Sie das noch toppen?

Ich spiele Horn ja nicht, damit ich bestimmte Dinge erreiche oder bestimmte Preise bekomme – wie ein Sportler. Es macht mir einfach Spaß, Horn zu spielen und Konzerte zu geben. Das ist für mich das Wichtigste.

Als Wunderkind mögen Sie nicht bezeichnet werden. Würden Sie sich ehrgeizig nennen?

Ich bin niemand, der in jungen Jahren alles konnte und allen davongesegelt ist. Auch im Bundesjugendorchester gab es Leute, die talentierter waren als ich. Aber ich war sehr ehrgeizig und sehr diszipliniert. Das Wichtigste ist, dass man bereit ist, viel dafür zu geben, Freizeit zu opfern und sich stark auf das Instrument zu focussieren. Das ist ein großes Geduldsspiel.

Hochtalentiert: Felix Klieser

Bereits als Fünfjähriger erhielt Felix Klieser Hornunterricht, nachdem er seine Eltern von seiner festen Absicht überzeugt hatte, dieses Instrument zu lernen. Klieser erweist sich als hochtalentiert. Mit 17 wurde er Jungstudent an der Hochschule für Musik und Theater in Hannover, war Bundespreisträger im Wettbewerb „Jugend musiziert“ und wurde 2014 mit dem Echo Klassik als bester Nachwuchskünstler ausgezeichnet.

Stets steht in den Kritiken die Musikalität im Zentrum. Sie werden auch gern als „Klangfetischist“ bezeichnet. Warum ist Ihnen das so wichtig?

Ich bin davon überzeugt, dass Musik erst dann spannend ist, wenn wir in der Lage sind, mit Klang und Emotionen zu arbeiten. Töne spielen kann jeder! Aber wie ich einen Ton forme und gestalte, das ist das Ausschlaggebende. Ein Forte bei Mahler ist ein ganz anderes Forte als bei Mozart. Ein guter Musiker ist ein Mensch, der Emotionen zwischen den Zeilen ausdrücken kann. Daher spielt der Klang eine wichtige Rolle für mich.

Sie sind ohne Arme auf die Welt gekommen. Welche Herausforderungen bringt das beim Umgang mit dem Horn mit sich?

Das Horn steht auf einem Stativ und wird dadurch festgehalten. Fürs Stopfen [eine Technik, bei der durch Einführen der Hand (oder eines Gegenstandes) in den Schalltrichter die Tonhöhe verändert oder/und dem Ton eine dumpfere oder metallischere Klangfarbe gegeben wird; Anm. d.R.] gibt es ein zweites Stativ, um den Dämpfer in den Schalltrichter hinein- und herauszuschieben. Beim Horn spielen an sich gibt es keine Unterschiede.

In diesem Jahr bekommen Sie den Leonard Bernstein Award. Wie wichtig ist Ihnen dieser Preis?

Wenn man sich die Liste der Preisträger anguckt, ist es eine sehr große Ehre und Anerkennung für meine Arbeit. Ich freue mich sehr auf das Preisträgerkonzert mit Michael Sanderling und dem Schleswig-Holstein-Musikfestival-Orchester.

Interview: Andreas Guballa

Der Leonard Bernstein Award 2016 wird Felix Klieser beim Preisträgerkonzert am Donnerstag, 14. Juli, um 20 Uhr in der Musik- und Kongresshalle in Lübeck verliehen.

Konzert auf dem Rittergut

Felix Klieser ist am Sonntag, 4. September, in der Reihe „Kultur im Kreis“ zu Gast auf dem Rittergut Besenhausen. Der Hornist wird dort gemeinsam mit Michael Schäfer (Klavier) auftreten. Sie spielen Werke von Schumann, Poulenc, Beethoven und anderen. Das Konzert beginnt um 19 Uhr. Karten gibt es in den Tageblatt-Geschäftsstellen, Weender Straße 44 in Göttingen und Marktstraße 9 in Duderstadt. pek

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