Volltextsuche über das Angebot:

19 ° / 11 ° wolkig

Navigation:
Beweglichkeit gegen architektonische Starre

Ausstellung Beweglichkeit gegen architektonische Starre

Vor einem Jahr hat Alke Reeh die Kassettendecke des Künstlerhauses Göttingen zum weißen Altarhimmel der Kunst gefaltet. Jetzt zeigt die Düsseldorferin Arbeiten der vergangenen fünf Jahre in der oberen Galerie des Hauses: „Kaleidoskop“. 

Voriger Artikel
Vom Start in ein neues Leben
Nächster Artikel
Samy Deluxe, Hip Hop deluxe

Zusammengefügt: Stoffstücke werden zum Körper.

Quelle: Heller

Kreisrund hebt sich die weiße Gipsarbeit von der Wand im Künstlerhaus ab. Im Durchmesser misst das „Plissée“ Reehs 1,40 Meter. In der Mitte, dort wo eine kreisrunde Aussparung zu sehen ist, ist es stark gefaltet. In gleichmäßigen Wellen ist die ebene Fläche zu korrektem Faltenwurf zusammengezogen, an den Rändern des Kreises laufen sie aus. Fast glatt ist das  Kreisaußen. 

Himmel der Kunst

Im Nachbarraum nimmt ein schweres dunkles Segeltuch einen großen Teil der Wand ein. Ebenfalls zu einem Rund zusammengefügt ist hier nicht Gips, sondern Stoff. In kleinen, mal größeren  viereckigen und spitzwinkligen  Teilen ist zusammengesetzt, was ein Zellengewölbe ausmacht. Die Ränder der zusammengefügten Stoffstücke mit ihren Nähten ergeben die Grate, prismatisch vertieft finden sich die Flächen. Es durchdringen sich Selbständigkeit und äußere Entsprechung.

Schon je war der Körper, die Kuppel, der architektonische Baldachin, der Himmel der Kunst Thema Reehs, worauf viele der ausgestellten Arbeiten, die bis 2004 zurückreichen, verweisen. Doch hier konterkariert die Beweglichkeit architektonische Starre, die Flüchtigkeit und temporäre Gestalt des Stoffes – wie auch andernorts der Stickerei - richtet den Blick auf das vermeintlich Weibliche oder auf Baldachine, auf Zirkuszelte gar, denn das obere Drittel der Fläche ist heruntergeklappt, zeigt dem Betrachter Machart und Rückseite in Okkergelb. Es spiegeln sich hier die miteinander verschränkten Ebenen, die Reeh stets beruft: Innen und Außen, Hin und Her, Diaphanie und Körperlichkeit, Tradition und absolute Gegenwart. 

Bis zum 14. Juni dienstags bis freitags von 16 bis 18 Uhr, sonnabends und sonntags von 11 bis 13 Uhr im Künstlerhaus Göttingen, Gotmarstraße 1. Zur Finissage am 14. Juni um 11 Uhr erscheint der Katalog zur Ausstellung.

Von Tina Lüers

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Regional
NDR2-Soundcheck: Statements von der Open City Stage am Sonntag