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Bilder, die zugleich Sinnbilder sind

„Künstler und ihre Ateliers“: Holger Walleck Bilder, die zugleich Sinnbilder sind

Zahlreiche ambitionierte Künstler haben sich in Südniedersachsen angesiedelt. Wir besuchen sie in ihren Ateliers und stellen sie und ihre Arbeit in einer Tageblatt-Serie vor.

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In seinem wohnlichen Atelier: der Maler Holger Walleck.

Quelle: Hinzmann

Nikolausberg. Ein Schlamm verspritztes Motorrad scheint förmlich aus der Leinwand zu springen. Fast poetisch mutet hingegen ein abstraktes Bild in pastelligen Tönen an. „Kein Fass aufmachen“ ist auf einer farbintensiven Collage zu lesen. Tiere sind auf den Leinwänden zu finden, und Menschen, die sich begegnen. Bilder in ganz unterschiedlichen Formaten lehnen an den Wänden, in einem zweiten Raum um ein Sofa herum sind es viele mehr. Farben stehen auf einem Arbeitswagen, Malerutensilien wie Stifte, Pinsel und Tuben in einer Regalwand. Auf dem Arbeitstisch liegt eine Tischdecke, Kaffee und Kuchen stehen bereit. Das Atelier von Holger Walleck in Nikolausberg ist sehr ordentlich und wohnlich.

 
Nach einer Ausbildung zum grafischen Zeichner hat der gebürtige Hamburger Kunstpädagogik und Freie Kunst mit Schwerpunkt Malerei an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig und Philosophie an der TU Braunschweig studiert. Während der Studienzeit seien Impressionisten sein Vorbild gewesen, seine Malerei naturalistisch und die Farben zurückhaltend, erzählt Walleck, der seit 1983 Kunstlehrer am Göttinger Hainberggymnasium ist. „Nach einem großen Bruch“, bedingt durch Beruf und familiäre Kindererziehung sei er 1988 „wieder eingestiegen“ in die Malerei, nun farbkräftig und expressionistisch.

 
Eine eigene Bildwelt macht Walleck für die jeweilige Lebensphase aus. Aktuell seien seine Arbeiten zurückhaltender und auch spielerischer geworden. Heute male er eher mit Acrylfarben, Akzente setzen Ölfarben, die eine größere Leuchtkraft besitzen. Dazu kommt alles, womit sich auf Papier arbeiten lässt von Haushaltsöl über Kronkorken bis zu Erdfarben.

 
Was ist dem Bildenden Künstler, der in der vergangenen Dekade mitunter mehrere Ausstellungen pro Jahr hatte, wichtig? „Ich mache mir Bilder, die zugleich Sinnbilder sind“, sagt Walleck. Es gehe ihm nicht nur darum, etwas zu erfassen, sondern um eine komplexe Vorgehensweise, die Emotionales, Erinnerungen, Vorstellungen und Wertungen umfasst. „Malerei ist ein Medium mit dem ich kommuniziere, aufnehme und frage, auch mich selbst.“ Und: „Sich zurückziehen und sich sortieren in meinen Bildern ist seit der Kindheit überlebenswichtig.“

 
Inhaltlich geht es dem 63-Jährigen um fundamentale Fragen wie: Was ist eigentlich Leben? Wer sind wir? Was ist wichtig? Formal geht es ihm darum, eine schlüssige Komposition zu entwickeln und mit Widersprüchen und Kontrasten zu einem Ganzen zu verbinden. Und wo soll es künstlerisch hingehen? Eventuell Großformatiges, andere Techniken ausprobieren und Plastisch arbeiten, kann Walleck sich vorstellen. „Ich habe nicht unbedingt ein bildnerisches Anliegen. Die Malerei begleitet mich ein Leben lang und so wird es auch weitergehen.“

 

Von Karola Hoffmann

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