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Bilder für den Frieden: Zeichnungen von Gennady Dobrov in St. Johannis Göttingen

Ausstellung Bilder für den Frieden: Zeichnungen von Gennady Dobrov in St. Johannis Göttingen

Diese Zeichnungen nehmen einen mit – im doppelten Wortsinn. Mit den Arbeiten des 2011 gestorbenen russischen Künstlers Gennady Dobrov, die in der St. Johanniskirche zu sehen sind, nimmt der Künstler die Betrachter mit in die Welt der zivilen Opfer des zweiten Weltkriegs, nimmt sie auch mit ins Konzentrationslager Auschwitz. Im Rahmen des Gedenkens zum 70. Jahrestag von dessen Befreiung steht die Ausstellung unter dem Titel „Autogramme des Krieges“.

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Bilder des Grauens: Zeichnungen von Gennady Dobrov.

Quelle: Heller

Göttingen. Die großformatigen Zeichnungen, die im Kirchenschiff zu sehen sind, sowie die kleinformatigen, in Mappen ausliegenden Werke der Serie „Requiem“, nehmen aber vor allem seelisch mit. Es sind Schmerzensbilder. Sie zeigen Gesichter und Körper – durch die Kriegsbeteiligten bis zur Unkenntlichkeit entstellt, als hätte sich direkt auf ihnen eine brutale Schlacht abgespielt. Auf jedem einzelnen. Diese Bilder sind nur äußerst schwer zu ertragen – eigentlich nur, wenn der Halt gebende Raum der Kirche mit wahrgenommen wird.

Dobrovs Arbeiten sind intensive Mahnmale für den Frieden. Dem Künstler gelang es mit den überwiegend in den 70er-Jahren entstanden Zeichnungen trotz aller Schockwirkung seiner Motive nicht den platten Gaffertrieb zu befriedigen. Vielmehr schafft er es, jeden gezeigten Menschen mit tiefster Würde zu zeigen. Auch wenn vom Menschen kaum mehr als Kopf und Rumpf übrig zu sein scheinen.

Aus den Gesichtern der Menschen, die Dobrov überwiegend in russischen Heimen für Waisen und alleinstehende Kriegsversehrte traf, sprechen Schmerzen, Verlust, Leere, Hoffnungslosigkeit und Vorwurf. Aber auch ungebrochener Stolz und ab und an gar der Hauch eines Lächelns. Viele Details der Zeichnungen machen die Tragik des Schicksals besonders deutlich. Wie etwa die Schmetterlinge, die „Auf dem Weg“ den mit müden Augen am Boden lagernden Mann ohne Beine umflattern. Oder „Das Buch der Liebe“, in dem eine alte Frau ohne Hände wohl nur noch mit äußerster Mühe blättern kann. Dobrov hat dem, was ein Krieg hinterlässt, mit enormer Intensität ein konkretes Gesicht gegeben, dem sich niemand entziehen kann. Und das zählt, beim Erinnern ebenso wie beim erhofften zukünftigen Bessermachen.

Die Ausstellung ist in der St. Johannis-Kirche ist noch bis zum 8. Februar täglich von 11 bis 13 Uhr geöffnet. Weitere Veranstaltungen dazu: gedenken-an-die-opfer-des-nationalsozialismus.de.

Von Isabel Trzeciok

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