Volltextsuche über das Angebot:

11 ° / 6 ° wolkig

Navigation:
Bilder von Georg Hoppenstedt in Göttinger Torhaus-Galerie

"Zum Vibrieren gebracht" Bilder von Georg Hoppenstedt in Göttinger Torhaus-Galerie

„Studien nach der Natur“ heißt die Ausstellung mit durchweg gegenständlichen Bildern von Georg Hoppenstedt, die jetzt in der Torhaus-Galerie auf dem Stadtfriedhof zu sehen ist. Gezeigt werden 46 Arbeiten, die ältesten von 1975, die jüngsten von 2014.

Voriger Artikel
Eröffnung der 10. Göttinger Märchenwoche
Nächster Artikel
„The voice“ Rob Reynolds im Göttinger Kulturclub Apex
Quelle: Heller

Göttingen. Nach der Natur“ zu zeichnen oder zu malen ist nach Hoppenstedts Aussage immer eine „Reduktion, zu der die Umsetzung zwingt“. Das bedeutet einen sehr aktiven Akt nicht nur des Sehens, sondern auch des Begreifens. Denn immer ist es eine Reduktion auf das Wesentliche, auf das Charakteristische – was bedeutet, dass sich der Betrachtende nicht nur um die detailgetreue Wiedergabe des Sichtbaren kümmert, sondern auch das Wesen des Objekts zu begreifen versucht.

Ist dies eher die Pflicht oder die Kür eines Künstlers? Diese Frage stellte Anja Marrack in ihrer Einführung zur Ausstellung. Hoppenstedts Bilder bewegen sich „zwischen Abbreviatur und Abbild“, konstatierte sie. Bei ihm werde die Pflicht „zur leidenschaftlich betriebenen Kür“. Sie seien deutlich mehr als der bloße Versuch, ein Abbild zu schaffen. Hoppenstedts Aktbilder etwa, durch Farbe gerundet, würden von ihm „zum Vibrieren gebracht“.

Zum Teil sind diese Studien Demonstrationsblätter aus Hoppenstedts Kunstkursen. Und selbst wenn er ganz banale Alltagsgegenstände zu Papier bringt, gewinnen sie ganz ungeahnte Reize, etwa die drei Variationen über einen Salatkopf, eine zerknitterte, sonst sicherlich völlig unbeachtete Obsttüte, deren beinahe bizarre Raumwirkung sich in Hoppenstedts Darstellung eindrucksvoll zu entfalten beginnt. Oder ein Wasserkessel, einmal mit, einmal ohne Laterne neben sich, der unversehens den Blick auf sich zieht und rhythmische Strukturen offenbart. Oder ein Boxhandschuh, zwei Kuhglocken oder die Baumstudien, in denen das Geäst zu einem wilden Geflecht von Linien wird.

Es lohnt sich, diese Ausstellung mit den gleichzeitig im Alten Rathaus gezeigten, vorwiegend abstrakten Arbeiten („Atem der Bilder“) zu vergleichen. Denn der Schwung der Linie ist hier wie dort der gleiche, und wenn einmal Farbe in diesen Studien hinzukommt, dann entwickelt sie sehr ähnliche Kräfte wie in den großformatigen Arbeiten im Rathaus. Nein, Georg Hoppenstedt versteckt sich nicht hinter den Gegenständen. Er lugt auch zwischen Salatköpfen überall unverwechselbar hervor.

Von Michael Schäfer

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Die Milchbar im Nörgelbuff