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Birgid Helmy stellt in der Göttinger Galerie Ahlers aus

Engagiert und plakativ Birgid Helmy stellt in der Göttinger Galerie Ahlers aus

Pinkfarben leuchtet die Plastik, die gleich links nach dem Hereinkommen in die Galerie Ahlers auf einem kleinen Sockel an der Wand steht.

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Aus Ton geformt: die kleinen Figuren von Birgid Helmy

Quelle: Vetter

Göttingen. Mehr als pinkfarben: grell. „Cowboy“ hat die Künstlerin Birgid Helmy diese getöpferte Figur genannt, die einen älteren Menschen zeigt.

Er trägt eine Handtasche über dem Unterarm, spitze Stiefel, einen Cowboyhut und lässig einen Schal auf dem Revers. Mann? Frau? „Ich mache auch viel Queeres“, hat Helmy zur Eröffnung gesagt und die Frage nach Geschlechtern damit gemeint. Witzige menschliche Figuren zeigt die Künstlerin in der Schau, das ist die eine Seite Helmys. Die andere hat mit ihrem Vorleben zu tun.

Sozialpädagogik hat sie studiert und als Sozialarbeiterin gearbeitet, bevor sie ein Kunststudium nachlegte, das sie als Meisterschülerin abschloss. Doch einiges hat sie in ihr neues Leben mitgebracht, vor allem soziales Engagement. Auch das zeigt die Ausstellung.

In ein Atrium, das von drei Seiten aus einzusehen ist, hat Helmy tönerne Gefäße gestellt. Benachbart an den Wänden im Inneren der Galerie hängen düstere Porträts, eher ungelenk gemalt. Diese Bilder zeigen Durchschnittsmenschen, so zumindest der erste Eindruck. Doch es sind Täter. Sie haben Menschen auf dem Gewissen, darunter Hunderte von Kindern.

Noch mehr Menschen wurden von ihnen zwangssterilisiert. Sie haben sich an dem Euthanasie-Programm der Nationalsozialisten in der psychiatrischen Einrichtung auf dem Eichenberg bei Eltville westlich von Mainz beteiligt. Auf dem Gelände dieser Einrichtung liegt das Atelier von Helmy. Mit Gleichgesinnten plant sie eine Gedenkstätte für die Opfer. Und die tönernen Gefäße im Atrium sind Urnen, die Helmy töpferte und mit einer Patina auf alt trimmte.

Sie stehen für die ermordeten Kinder, erläutert eine übermannsgroße Tafel, die die Künstlerin zu diesem Werk gestellt hat. Berührend, bedrückend – aber künstlerisch fragwürdig. Denn mit derart schlichten künstlerischen Mitteln ist diese Grauen nicht fassbar.

Ähnlich funktionieren einige Arbeiten Helmys, die einen surrealistischen Einschlag haben, Ideen die ihr nachts zufliegen, die sie ohne große Theoretisierung umsetzt. Da steht dann eine unbekleidete Frau auf Rollen statt auf Füßen. Fortbewegen kann sie sich nur, wenn zwei alte Männer sie ziehen. Sehr bewegt, sehr engagiert, sehr plakativ.

Die Ausstellung „Der andere Ort“ von Birgid Helmy läuft noch bis Sonnabend, 28. November, in der Galerie Ahlers, Düstere Straße 21. Sie ist dienstags bis freitags von 10 bis 13 und von 15 bis 18 Uhr, sonnabends von 10 bis 13 Uhr geöffnet.

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